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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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eine List gelungen. Stach hatte beim Überfall auf die Bezirks- polizeistation in der Nowolipki-, Ecke Smocznastraße teil- genommen. Zur Tarnung trug er gewöhnlich die Mütze eines Ghettopolizisten, die mit einer Dienstnummer versehen war. Einer der Beamten auf der Polizeistation hatte sich diese Nummer notiert. Eine gewisse Zeit später hatte sich Stach von neuem an die Ausführung einer Aufgabe gemacht und dabei wieder die Polizistenmütze mit derselben Nummer ge- tragen. Das war eine unverzeihliche Unvorsichtigkeit. Es war sein Verderben. Stach wurde umzingelt. Er war in der Falle. Die Schinder wußten bereits, daß dieser hellblonde junge Mann Mitglied des Jüdischen Kampfbundes war. Stach beschloß, nicht lebend in die Klauen der Gestapo zu fallen. Er stürzte sich auf einen der Deutschen, und dieser erschoß ihn auf der Stelle. Stach war damals 25 Jahre alt.

Wie gestaltete sich unser Leben in der Zeit zwischen den bewaffneten Unternehmungen im Januar und April? Nach den Kämpfen im Januar 1943 erkannten wir, daß wir ferner- hin nicht gleichzeitig zur Familie und zur Organisation gehören konnten. Wir beschlossen daher, uns zu kasernieren. Wir verließen die Eltern, sagten uns von unseren Nächsten los. Wir bezogen gruppenweise Standquartiere, jede Gruppe zu 10 Personen. Für Essen gaben wir sehr wenig aus. Das ganze Geld wurde zum Ankauf von Waffen verbraucht. Wir kochten nicht einmal Mittag, wir aßen Brot mit Marmelade. Der Jüdische Kampfbund hatte sich eine enorme Autorität verschafft. Die Volksmassen im Ghetto glaubten an ihn wie an Gott. Die Besitzer der shops zitterten vor Angst vor ihm. Natürlich nutzten wir unsere Autorität entsprechend aus. Wir schickten öfter an Lumpenkerle und Abtrünnige Warnungen: Wenn du dich nicht gehörig beträgst, wirst du erschossen! Der Jüdische Kampfbund entfaltete auch propagandistische Tätigkeit. Der Kämpfer Mietek Sztern entwendete aus der Direktion eines shops eine Schreibmaschine, brachte sie in

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