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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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unserem Hof auseinander. Das Frühstück kam aus dem Lager mit einem Auto an, das ein SS-Mann steuerte. Es gingen 10 Mann hinaus, um die Kannen abzuladen, aber außer dem Frühstück lagen im Auto auch diejenigen, die am vorheri- gen Tage im Lager getötet worden waren. So brachte man uns täglich zusammen mit dem Frühstück Tote an. Wir tru- gen sie hinunter und warfen sie ins Feuer, ohne erst auf einen Befehl zu warten, denn wir wußten schon selber, was man mit ihnen machen sollte. Andere trugen inzwischen das Frühstück in den Hof. Sie teilten es aus, jeder aß seine Portion auf, und wir versammelten uns abermals zum Appell. Es war 8 Uhr. Die Scharführer und der Untersturmführer kamen. Herches meldete den Personenbestand, und wir gingen brigadenweise zur Arbeit hinaus. Unsere Brigade, die bis dahin beim Bau beschäftigt gewesen war, wurde auf die anderen Brigaden verteilt, mit Ausnahme eines Mannes, der die Öffnungen im Bunkerdach zu machen hatte. Ich, der ich eine schreckliche Angst vor der Arbeit bei den Leichen hatte, ging nicht mit den anderen hinaus, sondern blieb, ohne daß jemand davon wußte, im Bunker, angeblich, um darin Ord- nung zu machen. Was konnte man mir schon tun? Höchstens mich erschießen! Aber davor hatte ich keine Angst.

Es wurde 12 Uhr. Heute aßen wir nicht mehr in der Schlucht Mittag, sondern die Brigaden kamen in unser Lager hinauf Hier fand noch einmal ein Appell statt, den der Hauptschar- führer, der Vertreter des Untersturmführers, abnahm. Er hieß Rauch. Er war ein schmächtiger, mittelgroßer Berliner, der 21 Jahre zählte und sehr kindisch war.

Wir aßen unser Mittag. Um 1.30 Uhr war wieder Appell. Jede Brigade begab sich auf ihre Arbeitsstelle vom Vormittag. Es wurde Stroh angefahren, ein Auto voll Stroh. Mit diesem Stroh waren die Kartoffeln im Lager zugedeckt gewesen, und es roch dumpfig. Man rief einige Männer aus der Schlucht herauf, wir Juden das Stroh ab und trugen es in den Bunker,

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