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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
Entstehung
Seite
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Fünferreihen auf die Erde, so wie am gestrigen Abend. Der Zugführer zählte uns. Die Zahl stimmte. Vor uns stand eine Kanne mit Kaffee, auch Brot war da. Man gab uns eine doppelte Portion Brot, zweimal soviel wie im Lager, und einen Liter süßen Kaffee. Wie ein jüdisches Sprichwort sagt: „Vor dem Tode wird es einem leichter gemacht.“ Das Früh- stück wurde an uns auf die gleiche Weise verteilt wie das gestrige Abendbrot. Wir beendeten das Frühstück, standen auf, faßten uns unter die Arme und marschierten hinaus. Die Schupos erinnerten uns an die Dienstvorschrift, an die wir beim Hinausgehen gebunden waren. Wir waren 42 Mann, und die Schupos, die uns begleiteten, waren 40. Jeder hielt in der Hand eine MP, den Finger schußbereit am Abzug. Wir gingen durch die Pforte hinaus, durch die wir gestern hereingekommen waren. Hier blieben wir stehen. Wir war- teten. Aus dem Lager näherten sich uns drei Scharführer, unter ihnen auch Heine, der bei jeder Hinrichtung zugegen war. Hinter ihnen strömten lauter Askars aus dem Lager, als wären sie aus einem Sack ausgeschüttet worden. Sie brachten uns zu den Leuten, die wir gestern in den Zellen 1 und 2 gesehen hatten. Die Männer waren von den Frauen und Kindern getrennt und standen, genauso wie diese, in Fünferreihen. Die Wache hatte sich auf ungefähr 100 Mann erhöht, als wenn 45 zuwenig wären. Jetzt wußten wir ganz genau, daß wir in den Tod gingen, denn die Frauen und Kinder gingen doch bestimmt nicht zur Arbeit. Einige warfen ihre Joppe zusammen mit dem Jackett ab, damit das Ent- kleiden an der Hinrichtungsstätte nicht lange dauerte und sie sich nicht noch vor dem Tode der Nagaika aussetzten. Aber vielleicht war es ihnen in der Kleidung vor Angst zu eng geworden, und sie wollten es sich auf diese Weise leichter machen? Wir gingen denselben Weg, den wir gestern gekom- men waren. Ungefähr 50 Meter vor der Schlucht, in der wir gestern gearbeitet hatten, blieben die Frauen und Kinder

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