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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
Entstehung
Seite
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Schießerei geben. Es waren zwei Schupos, es würde daher von den unseren nur ein Teil fallen, die übrigen würden sich retten können. Aber was half es schon? Aus der Baracke wäre man schon hinausgekommen, aber dann hatte man den Zaun vor sich. Der Zaun war drei Meter hoch, dicht mit Stacheldraht durchflochten, und 50 cm weiter befand sich ein ebensolcher Zaun. Von einem Hinüberspringen konnte also keine Rede sein. Abgesehen davon, daß alle zwei Meter ein Pfahl stand, auf dem ein Scheinwerfer angebracht war. Hinter den Zäunen wiederum befand sich noch der Platz der Lagerwerkstätten. Dieser Platz war ebenfalls beleuchtet, so daß jede Bewegung darauf zu sehen war. An jeder Ecke des Zaunes waren Wachtürme errichtet, auf denen Wächter mit Gewehren standen.

Aber wir mußten etwas tun! Vorläufig standen die Schupos da, vielleicht gingen sie später weg. Mittlerweile schlief ich ein. Im Traum sah ich den Vater und die Mutter. Sie weinten darüber, daß auch ihr letzter Sohn durch die Kugeln der gleichen Banditen fallen sollte wie ihre anderen Kinder. Plötzlich riß der Traum ab. Ich wachte auf. Ich wollte mich doch retten! Ich trat ans Fenster. Ich hörte das Gespräch der Schupos. Ich versuchte die Kameraden zu wecken. Alle schliefen vor Ermattung wie Tote. Ich legte mich wieder hin mit dem Gedanken, daß man nichts machen könne. Nach einiger Zeit schlief ich ein. Ich träumte wieder von meiner Mutter: man holte sie in den Tod ab. Sie sprach zu jeman- dem, daß sie sich damals gedacht hätte, sie würde sieben verwaiste Kinder auf der Welt zurücklassen, nun sehe sie aber, daß ich nach elf Monaten als letzter von ihnen dem- selben Schicksal entgegengehe, das die anderen Brüder und Schwestern getroffen habe. Ich empfand Mitleid für mich und weinte. Ich sah, wie man ihren toten Körper hinter sich her zog und verbrannte. Die Mutter, den teuersten Schatz auf der Welt. Ich sah den Vater, die Schwestern und Brüder...

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