in der Hand. Seine Arbeit hätte darauf beruht, die Anzahl der Leichen zu notieren, die ins Feuer geworfen wurden. Er durfte nicht einmal den Schupos sagen, wie viele Leichen im Lauf des Tages verbrannt worden waren. Abends hatte er dem Untersturmführer genauen Rapport über die Anzahl der verbrannten Leichen zu erstatten. Er selbst durfte nicht im Gedächtnis behalten, wie viele Leichen am vergangenen Tage verbrannt worden waren. Wenn der Untersturmführer am nächsten Tage fragte, wie viele Leichen gestern verbrannt worden seien, mußte er sagen, daß er es vergessen habe. Die Leichen hätte man„Figuren“ genannt. Beim Hineinwerfen der Leichen wäre man direkt bis an das Feuer herangetreten. Alle bei dieser Arbeit Beschäftigten hätten sich dabei Hände und Gesicht verbrannt und die Haare angesengt. Nachdem man eine Leiche ins Feuer geworfen hätte, wäre man schnell gelaufen, um die nächste zu holen, weil das Gehen selbst im schnellen Schritt gefährlich gewesen wäre. Jeder hätte Angst gehabt, das ihm genau bekannte:„Schneller! Warum geht die Arbeit so langsam vorwärts?“ zu hören.
„Noch einen Tag solcher Arbeit, und bestimmt hält es keiner von uns aus, selbst wenn sie ihn nicht erschießen würden“, schloß mein Nachbar auf unserem gemeinsamen Strohsack.
Wir schwiegen und sahen einander an. Keiner wagte die Stille zu unterbrechen oder die Gedanken des anderen aus- zusprechen. Vielleicht dachte er an seine Eltern oder Ge- schwister. Das waren die letzten Betrachtungen eines Ver- urteilten. Wenn man irgendeinen von uns gefragt hätte: „Was wünschst du dir?“, würde er geantwortet haben: „Vor dem Tode noch einmal die Mutter, den Vater, Brüder und Schwestern zu sehen.“ Die Mutter... die Mutter, die sich ihre goldenen Zähne herausriß, um dafür dem Sohn ins Lager Päckchen zu schicken, damit er nicht ver- hungerte.


