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festes. Bis zur Schildergasse... da geriet ich in Atemnot, rannte fast, sah von weitem die Antoniterkirche, beglückt, sie unversehrt zu finden, näherte mich, sah auf dem Boden des Geschäfts einen Notbau, Schaufenster mit Schuhen. Vom alten Haus stand nur ein Teil des Erdgeschosses noch und irgendwo darüber, als erster Stock, ein Fenster dessen, was die Damenabteilung gewesen war. Verrostete und verbogene Gitter. Überall auf den Resten des Gemäuers wild wuchernde Pflanzen.
Man hat mich gefragt, ob ich nicht etwa ein Gefühl der Genugtuung empfunden habe, als ich das Geschäft nun zer- stört wiedersah. Nein- nichts davon. Tiefe Trauer spürte ich: wie gern hätte ich nach der Befreiung alles wiedergefunden, wie ich es damals verließ. Wie gern wäre ich durch die un- vergeßlichen Räume des Geschäfts gegangen und durch die Wohnung der Großmutter! Wie schmerzlich die Gewißheit: All das gibt es nur noch auf Bildern und in Träumen!
Ich fuhr zum Friedhof. Am Tor hielt Erinnerung mich zu- rück: da war ich an jenem ıo. November 1938 umgekehrt, als ich, vor der Gestapo fliehend, am Grab des Vaters rasten wollte. In der Morgenfrühe schon hatten wir gehört, daß die Synagogen brannten, und hatten das Haus verlassen, waren losgefahren, irgendwohin, wandten uns zum Friedhof, sahen am Verwaltungsgebäude verdächtige Gestalten. Wir fanden eine Telefonzelle und erfuhren, Gestapo durchsuche unser Haus und blaue Polizei stehe vor der Tür. Ein jüdischer Bekannter nahm uns auf, wir berieten und beschlossen, ich solle zu den Schwiegereltern nach Berlin fahren, vielleicht würde ich in der Bahn den Tag unerkannt überstehen. Meine Frau ging nach Hause, ich wurde von dem Freund zum Zug gebracht. Unterwegs, in der Roonstraße, Feuerwehr und Menschen- getümmel vor der Synagoge. Menschengetümmel auch vor der Wohnung eines befreundeten Arztes- während wir für einen Moment hielten, um zu sehen, was da geschah, riß jemand die Tür des Wagens auf: der Arzt drängte stöhnend herein— er war beim Sprung aus dem Fenster verletzt wor- den und bat, man möge ihn ins jüdische Krankenhaus bringen.
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