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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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jgsburg

Junge Leute, die heute Geschichte lernen, könnten meinen, daß die Verfolgung 1933 über Menschen hereinbrach, die als Fremde in unserer Mitte lebten, störend und provozierend in ihrem Anderssein. Es könnte jungen Leuten verborgen bleiben, daß Deutsche von Deutschen gejagt wurden.

Der Familie Joseph gehörte ein bekanntes Schuhgeschäft in Köln, mit Filialen in anderen Städten. Es gehörte ihr bis zum Jahr 1938. In diesem Jahr mußte das Geschäft verkauft wer-

.den. Die Josephs durften froh sein, daß einige von ihnen das

Land verlassen konnten, das ihre Heimat war, dem sie in Sprache, Bildung, Lebensvorstellungen und der Ehrbarkeit ihrer Auffassungen von Handel und Wandel angehörten. Dieses Buch erzählt vom Leben eines Deutschen jüdischen Glaubens, das bis zum Jahr 1933 in Krieg und Frieden, Ar- beit und Muße so verlief wie das Leben anderer Deutscher.

Junge Leute, die heute Geschichte lernen, könnten meinen, daß die Verfolgung über Menschen hereinbrach, die als Fremde in unserer Mitte lebten, störend und provozierend in ihrem Anderssein. Es könnte jungen Leuten verborgen blei- ben, daß Deutsche von Deutschen gejagt wurden.

Diese Aufzeichnungen enthalten Persönliches, das im all- gemeinen über den privaten Umkreis hinaus nicht interes- siert. Kindheit, Jugend und Mannesjahre folgen in diesem Bericht einander wie in anderen Lebensläufen auch. Der Er- zähler und seine Geschichte wollen und können also nicht Anlaß sein zu allgemeinen Betrachtungen über den Gang des Lebens und der Welt. Die Wege und Stationen der persön- lichen Entwicklung, an die sich der Verfasser erinnert, haben nichts, was über die unmittelbare Umgebung hinaus verbind- lich ist. Der Autor hat nichts zu enthüllen, sein Text lockt nicht mit dem verführerischen Zauber der Memoiren, die eine neue Dimension der Vergangenheit öffnen. Dieses Leben