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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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hat sich in der Stille abgespielt. In der Stille der Arbeit und der Muße, der Interessen und Neigungen, und selbst in der Verfolgung ist es in der Stille geblieben.

Das gerade hat den Verlag veranlaßt, ein Buch herauszu- bringen, das sich in keine herkömmliche Rubrik einfügt. Es gibt viele Dokumente aus der Zeit der Verfolgung, die wir nie vergessen werden. Gestalten sind zu Bildern geworden, unter grauenvoller Drohung notierte Schreie, Beschwörungen und Berichte wirken in der Welt der Geretteten, der Schuldigen, der durch Nichtwissen Schuldigen und der Nachfahren mit der Kraft des Symbols. Es sollte wohl aber auch die Wirkung der Gedanken nicht fehlen, der Überlegungen und Betrach- tungen, zu denen uns das stille, das private Schicksal anhält. Es mag sogar sein, daß die Betrachtung eines solchen Lebens klares Denken, eigene Einsichten und persönliche Entschei- dungen eher fördert als der Blick auf jene großen Bilder, für die wir nicht alle und nicht immer groß genug sind.

Der Verlag, nicht der Verfasser, hat dieses Buch ein Doku- ment genannt. Er möchte dabei im Sinne der vorangestellten Zeilen verstanden werden. Für Verlag und Verfasser liegt das Gewicht dieser Darstellung auf der Zeit vor 1933. Was von diesem Jahr an berichtet wird, soll nur abrunden. Gerade für den Betroffenen, der hier erzählt, gibt es für die Zeit der Verfolgung keine Worte. Unfaßliches widerfuhr ihm, und nur die Geschwätzigen, die Beauftragten oder die Begnadeten kön- nen noch von ihrem eigenen Untergang Kunde geben.

Artur Joseph ist Deutscher im Fühlen und Denken. Davon hat ihn auch die Verfolgung nicht befreien können. Was man ihm vorwarf, hatte für ihn die Verrücktheit eines Edikts, das die Linkshändigkeit unter Ausnahmegesetz stellt und ächtet. In seiner Familie, die sich in der Welt des Handels ihren Platz erarbeitete, war Deutsches und Jüdisches schon längst zu jener glücklichen Vereinigung gekommen, der wir in Kunst und Wissenschaft zahllose Namen danken. Es gab deutsche Juden. Sie waren kein«Fremdkörper in Deutschland, sie waren seit langem schon jüdische Deutsche. Deutsche mit eigener Art und eigenem Glauben, die ihnen zustanden wie jedem Deut-