Druckschrift 
Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen

T mit oder ende deut- » und en.

:inem hat is ls sie ıblief, 5 VOL nten, Atmo- über- indnis achen - und hbarn sechs mern - aber ıgseln rache, e und ir ger ei ber

nach 1z vol Main. d dem plickte olken- Maiß de der d dies

je ver

abschiedet worden war. Und im alten Hotel, das er wieder aufsuchte, erkannte ihn der Empfangschef und gab ihm ein schönes Zimmer.

Es war Abend. Aus der Bar kamen heitere Klänge. Gäste in gehobener Stimmung, ihr Auftreten und ihre Kleidung er- wiesen die Wirklichkeit des sagenhaften deutschen Wirt- schaftswunders. Lange hatte ich nicht mehr so üppige Por- tionen gesehen, Fleisch, Süßspeisen; in Israel gab es damals südamerikanisches Gefrierfleisch, 300 Gramm pro Person und Monat, der Zucker war rationiert, und Schlagsahne war über- haupt verboten.

Vorsichtig wie in einem Krankenzimmer bin ich dann am nächsten Tag auf die Straße gegangen. Mir schlug die Luft eines neuen Frankfurt entgegen: eine neue Stadt war da, ganz unähnlich der, die ich in meiner Erinnerung trug. Rui- nen und Neubauten der Wiederaufbau beherrschten die City, und Goethestraße, Zeil, Kaiserstraße waren eher nur noch dem Namen nach, was ich kannte. Amerikanischer Stil eine veränderte Atmosphäre, in der auch andere Menschen sich zu bewegen schienen. Sie hatten es viel eiliger als die alten Frankfurter, und mehrere Male, als ich mich nach dem Großen Hirschgraben zurechtfragte, antwortete man:«Ich bin auch nicht von hier.» Nun freilich, ich fand ihn dennoch wie- der und sah gern, daß ebenso wie anderes auch das Goethe- haus wieder aufgebaut wurde. Von ihm ging ich weiter, zur Rat-Beilstraße, zum Grab der Großeltern. Der Friedhof war damals noch in schlechtem Zustand, umgestürzte Grabsteine lagen überm Weg, an anderen fehlten die metallenen Lettern der Inschriften, die irgendwer sonstwie verwertet hatte, und die Toten ruhten namenlos. Ein trübseliges Bild- ein Fried- hof von mehr als 120 000 Gräbern, und für jedes von ihnen hatte es trauernde Herzen gegeben, von denen seither gewiß- lich viele selbst zu schlagen aufgehört hatten.

Es drängte mich weiter, nach Köln, zum Grab des Vaters. Und doch war es mir innerlich schwer, an ein Wieder- sehen mit Köln zu denken. Oft ging ich zum Hauptbahnhof, las die Aufschrift«Köln» auf den Tafeln, vermochte dennoch

141