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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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ende Babies als niedliche Kinderchen zu«schießen» oder mit einladender Geste vielköpfige Familien zu konterfeien oder unaufmerksame Hochzeitsgesellschaften und Allotria treibende Schulklassen, erinnerteich mich grimmig-schmerzlich des deut- schen Slogans«Wer fotografiert hat mehr vom Leben!» und war zufrieden, daß wir überhaupt das Leben selbst hatten.

So haben wir erfahren, was der Freund uns riet: von einem Auftrag, von einem Wunder zum anderen aber«that is another story», und hierher gehört sie nur insofern, als sie bezeugt, daß unser Leben von nun an ganz anders ablief. Nach außen, ja und nach innen? Nun gut, da war es vor allem die andere Sprache, deren wir uns täglich bedienten, das Hebräische, das mit seiner Grammatik und ganzen Atmo- sphäre eine bis dahin so gut wie unbekannte Tradition über- mittelte, eine neue Lebensauffassung und einiges Verständnis für andere Daseinsgewohnheiten. Zumal die Kinder sprachen in der Schule und auf der Straße nur Hebräisch- Iwrith und brachten es auch ins Haus, und ebenso taten es die Nachbarn in Kfar Malal, dem kleinen Dorf, in dem wir später sechs Jahre wohnten, und desgleichen die Kunden.«Es dämmern im Bücherständer die Bände in Gold und Braun...» aber wer fand noch den Weg zu ihnen, den geretteten Mitbringseln aus Deutschland? Man entfremdete sich der Muttersprache, gezwungen, alltäglich und fast ausschließlich eine neue und fremde Sprache zu benutzen: eines Tags mußte ich mir ge- stehen, meine Geschichte als Jude aus Deutschland sei be- endet. Ich war ein Jude in Israel geworden.

Im November 1950 erhielt ich eine Aufforderung, nach Deutschland zu kommen. Ich folgte dem Ruf, und kurz vor Weihnachten landete ich auf dem Flughafen Rhein-Main. Als der Pilot ansagte, die Maschine fliege nun über dem Bundesgebiet, drückte ich mich tief in den Sessel, blickte nur dann und wann hinab und gewahrte zwischen Wolken- fetzen ein Stück Rhein; es war mir recht, daß Köln und Main und Taunus von Nebeln verhangen waren. Dann wurde der Passagier aus Israel vom deutschen Zoll empfangen und dies- mal so liebenswürdig begrüßt wie er damals voll Bosheit ver-

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