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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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schrieb, und gerade von der Lage des deutschen Judentums aus, in dem ich einen verantwortlichen Platz einnahm, wäre ein Weggang mir wie Verrat erschienen. So lebte ich im Land wie der größte Teil meiner jüdischen Mitbürger und sah noch den Niedergang unseres Hauses. Mag man mir heute manch- mal vorhalten, dies Ausharren sei doch unnötig und töricht gewesen, so darf ich antworten, daß es gewiß höhere Werte als das eigene Leben und höhere Ziele als das gute Geschäft gibt.

Seit der Machtergreifung der Nazis lag mir ein Ring um die Brust, der das Atmen verwehrte und sich über ein Jahrzehnt nicht lösen wollte. Und noch heute spüre ich ihn, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, die so schwer und einsam war. Manche Freunde waren nach und nach ausgewandert, die Ge- selligkeit erstarb, es blieb nur die engste Familie. Theater, Konzertsäle, Museen waren für Juden verschlossen. Auf der Straße begegnete man nur starren, wenn nicht feindseligen Gesichtern, und überall drohten Rempelei und Übergriffe. In Frankfurt, das den Juden so viel an kommerziellen und kul- turellen Werten zu danken hat, waren die Angriffe noch hef- tiger als in Köln, und in der Filiale bekam ich 1938 eine Atmosphäre zu spüren, die kaum gemildert wurde durch den Gedanken, dieser oder jener sei allein durch die Sorge um seine Existenz und nicht durch Neigung zum Regime ge- lenkt worden. Im Frühjahr 1938 war ich noch einmal in Ber- lin, wegen einiger Import-Lizenzen, die ich persönlich bean- tragen wollte. Die Ablehnung teilte mir ein älterer Beamter freundlich bedauernd mit: es sei keinerlei Aussicht, daß im Dritten Reich jemals ein jüdisches Unternehmen dergleichen bekomme. Mit den Juden sei es vorbei.«Es wird noch viel schlimmer kommen, glauben Sie mir. Ich kenne die Richt- linien.»

Schließlich, im Juni 1938, war es soweit: ich mußte auf- geben. Es war nicht einfach, mich zu lösen. Das Geschäft wurde verkauft, der Vertrag genehmigt. Jeder Vertrag bedurfte der Genehmigung der Gauwirtschaftsleitung, die dabei oft- mals Verträge, die bereits notariell abgeschlossen waren, än-

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