schen den Fronten lag. Wieviel ist hier gelitten, wieviel Hoff- nung hier begraben worden. Nach vierzig Jahren wußte man in Fismes kaum mehr etwas davon. Während des ersten Welt- krieges wurde der<«Chemin des Dames» in vielen Heeres- berichten erwähnt. Wie erstaunte es mich daher, daß die Be- wohner, bei denen ich mich nach dem Weg erkundigte, keine Auskunft geben konnten, ja, daß sogar die Bezeichnung un bekannt war. Ich verließ Fismes und fuhr einen Feldweg am nahen Wald entlang. Dort begegnete mir ein alter Bauer, der mit der Sense über dem Rücken dahinschritt. In meinem besten Französisch fragte ich ihn nach dem«Chemin des Dames». Er kannte ihn. Im März 1917 hatte er dort gelegen und war verwundet worden.
Während meiner Kriegsgefangenschaft lernte ich viele Lager im Westen und Süden Frankreichs mit primitiver Unterkunft und Verpflegung, aber auch die französische Landschaft ken- nen. Man transportierte uns zwar von allen Reisenden ab- geschlossen und unter ihren feindseligen Blicken, aber immer hin in Waggons dritter Klasse, und wenn man so von Paris nach Etampes, von da nach Rochefort, Chartres, Agen, Limoges, Orleans, Lyon fährt, sieht man doch viel. In Paris wurden wir nicht tiber die Champs Elysees geführt, aber ich sah damals um so mehr von den kleinstadtartigen Vororten.
Mir gefiel Frankreich, das Land meines Bergsteig Lehrers, trotz aller Gehässigkeiten, zu denen das französische Tempera- ment sich durch den Anblick deutscher Kriegsgefangener hin- reißen ließ; wir wurden nicht nur beschimpft, sondern auch angespuckt und mit Steinen beworfen. Als ich aber mit einigen Kameraden auf ein Landkommando kam, wo wir während der Kartoffelernte gemeinsam mit den einheimischen Mägden und Knechten auf dem Feld arbeiteten, zeigte Frankreich sein sympathisches Gesicht. Hier auf dem Land schienen die Men- schen wohl auch spritzig und charmant, aber dennoch eher bürgerlich und behäbig; ein Hang zum Laisser-faire, Laisser- aller, ja zum Traditionellen war unverkennbar
Zweifellos war es dies Bürgerliche, das mich anzog: der Mann, der am Sonntag einen über den Durst trinkt und am
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