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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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Karbidlampe aus. Mit stoischer Ruhe wurde sie von den Soldaten jedesmal wieder angezündet, die das alles wenig zu berühren schien. Sie hockten beieinander und vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen. Auch die Ratten, die zwischen uns hindurch huschten, störten sie nicht.

Ich versuchte, mich, so gut es ging, mit der neuen Lage abzufinden. Ich schrieb Briefe an die Eltern und nach einiger Zeit gelang es mir sogar, zu lesen. Auch lernte ich, heran- nahende und vorübersausende Granaten am Gezisch zu unter- scheiden und aus dem Einschlag zu schließen, um welche Art es sich gehandelt hatte. Die älteren Kameraden brachten es mir bei, so wie man einst auf der Jagd den Knappen lehrte, am Flügelschlag den Vogel zu erkennen. Wenn wir auf Wache standen, hatten wir das Vorfeld zu beobachten, bei Nacht war jedes Geräusch wichtig und verdächtig. Man durfte sich kaum bewegen, denn überall hatte der Feind Zielgewehre aufgestellt. Eine Unvorsichtigkeit konnte das Leben kosten. Immer wieder wurden wir gewarnt, nicht über den Graben- rand zu schauen. Das war nicht immer einfach, denn an vie- len Stellen hatte der Beschuß die Gräben eingeebnet. Kame- raden wurden verwundet, der eine oder andere fiel an meiner Seite oder kehrte von nächtlichen Patrouillengängen nicht zu- rück. Das Trommelfeuer steigerte sich von Tag zu Tag, bis die Franzosen eines Morgens angriffen. Bei diesen Kämpfen bin ich durch ein Artilleriegeschoß verwundet worden und mit 50000 deutschen Soldaten in Gefangenschaft geraten. In einem Feldlazarett bei dem Orte Fismes wurde ich operiert. Als ich am nächsten Tag beim Verbinden, das recht schmerz- haft war, dem Doktor«doucement, zurief, entgegnete er auf Deutsch:«Seien Sie glicklich, seien Sie froh, daß Sie das Läb- ben habben! 1934 erhielt ich das Ehrenkreuz für Frontkämp- fer. Ich buche es heute als Kuriosität, daß es mir«im Auftrag des Führers und Reichskanzlers» verliehen wurde.

Im Sommer 1957 habe ich diesen Frontabschnitt wieder auf- gesucht. Verwundert las ich in Fismes ein Schild:«Laon 28km». Auf wie schmalem Raum hat man dort im ersten Weltkrieg gekämpft! Und wie weit war- trotzdem- die Welt, die zwi-

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