Bergfreund, einige Tage vorher noch gesagt:«Deutschland ist glänzend auf den Krieg vorbereitet!» Und hatten wir nicht einen Hohenzollern-Kaiser von Gottes Gnaden! Und wußten wir nicht von der Schule, daß die Welt uns um unsre Armee, unsre Generäle ebenso beneidete wie um unsre Wirtschaft! Und natürlich hatten die Engländer, die elenden Krämer, uns nicht wegen der belgischen Neutralität den Krieg erklärt, son- der wegen des Weltmarkts, den unsre Industrie der ihrigen streitig machte. Nein, das war kein«Krieg der Kabinette- es war ein echter Volkskrieg, ein notwendiger und gerechter Krieg!
So kam es, daß ich mich ein wenig wunderte, als der Vater, nachdem wir einander begrüßt und ich ihm meine Eindrücke geschildert hatte, anderer Meinung war. Er war sehr ernst und entgegnete knapp:«Wir können nur auf Gott vertrauen und auf den Kaiser. Es wird Verwundete geben, Tote und Krüppel. Hoffentlich gelingt es, den Krieg außerhalb der deutschen Grenzen zu halten.»
Meine Freunde waren zum Teil schon eingerückt oder sie warteten auf ihre Einberufung. Auch ich bat die Eltern, mich freiwillig melden zu dürfen. Der Vater ging mit mir in viele Kasernen. Überall standen dichtgedrängt Menschenmassen vor den Toren, und waren wir irgendwo in eine Schreibstube gelangt, so hörten wir, die Listen seien geschlossen, und man wisse noch gar nicht, was man- auf solchen Ansturm unvor- bereitet- mit all den Freiwilligen beginnen solle. Ein Feld- webel jedoch musterte mich mißtrauisch:«Sie sind ja noch sehr jung, und der kräftigste scheinen Sie auch nicht zu sein. Lassen Sie sich ruhig noch ein bißchen rausfuttern von Mut- tern. Der Krieg ist ein rauhes Handwerk, Sie kommen auch noch dran und werden noch früh genug die Nase voll haben.» Ich war sehr unglücklich und schrie zu Hause:«Ich schäme mich- alle sind Soldat, nur ich laufe noch in Zivil rum! Ich bin zu spät gekommen. Vater, warum hast du nicht früher telegrafiert?>
Der Mutter war's allerdings recht so, und überdies, meinte sie, sähe ein Kriegsheld anders als ich aus. Soldat bin ich erst
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