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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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sei es in der nationalen oder in der privaten Sphäre. Da wie dort bedeutet es Verengung des Blicks und Rückschritt.>

Wir sprachen nicht mehr von Politik. Wir fuhren nach Genf zurück, zumal Nachrichten eintrafen, die den vollen Ernst der Lage zeigten. Im Internat fand ich ein Telegramm des Vaters: es forderte mich auf, nach Hause zu kommen, der Krieg sei Tatsache. Es war ein allgemeiner Aufbruch im Gang, aber er ließ genug Zeit, um festzustellen, wie die politische Entwicklung die Menschen und ihre Beziehungen zueinander vergiftet hatte. Als ich über den Flur zu meinem Zimmer ging, stellte sich mir plötzlich ein Junge in den Weg. Ein Südfran- zose- wir waren Zimmernachbarn gewesen, oft hatte ich ihm bei den deutschen wie er mir bei den französischen Auf- sätzen geholfen, und das berühmte Diktat, das Napoleon in St. Cyr zu bestehen hatte, und das selbst für Franzosen nicht leicht ist, weil es nur Worte enthält, aber des Sinns entbehrt, hatten wir beide, dank gemeinsamer Vorbereitung, ordentlich hinter uns gebracht und seitdem als unzertrennliche Freunde gegolten. Nun stand er vor mir, verspertte mir den Weg. Neben ihm zwei seiner Landsleute. Sie ballten ihre Fäuste, und einer rief mir entgegen:«Einen schönen Kaiser habt ihr! Aber ihr Deutsche seid ja alle so falsch, ihr seid freundlich und insgeheim kriegslüstern.» Ein anderer rief:«Kein Wun- der, sie spielen schon als Kinder nur mit Soldaten» Dann spuckten sie alle vor mir aus und ließen mich stehen. Abends im Speisesaal begegnete ich feindlichen Blicken, man sprach nur das Nötigste mit mir, und der einzige, der sich zu mir setzte, war ein junger Mann aus Marienbad, der bekannte, er wisse eigentlich gar nicht recht, wohin er gehöre.

Als ich mit meinem schmalen Handkoffer die Schule ver- ließ, wehte mir wie zum Abschied der Duft der Rosenbüsche entgegen. Es war kurz vor Mitternacht. Die Straßenbahn fuhr nicht mehr, und die Taxis hatten infolge der schweizerischen Mobilmachung den Dienst eingestellt. So ging ich zu Fuß, und mit mir ging das Echo meiner Schritte. Über dem See, hinterm Montblanc, stieg ein roter Vollmond auf. Ich erin- nere mich der riesigen Scheibe, die wie ein drohendes Fanal

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