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merkte, daß plötzlich zwischen den beiden eine Beziehung entstanden war, von der ich irgendwie ausgeschlossen blieb. Nicht, daß nun von ihrer Seite gehässige Außerungen gefallen wären. Nein, gewiß nicht. Aber unverkennbar war da etwas Neues, Fremdes zwischen uns getreten, und wir sprachen kaum mehr. Bis schließlich der Lehrer das Eis brach:«Sie wissen doch», erklärte er,«daß die gegnerischen Anwälte sich vor Gericht oft heftig streiten und hinterher dann nicht selten zusammen ins nächste Restaurant gehen und sich prächtig unterhalten. Prozeßfeindschaft ist keine persönliche Feind- schaft. Halten wir es doch ebenso!»
Das war gewiß gut gemeint, aber es vermochte das alte Verhältnis nicht wiederherzustellen. Ich verließ die beiden, um zu einem Postamt zu gehen und telegraphisch den Vater zu fragen, ob ich nach Hause kommen solle. Dann traf ich die Gefährten wieder; sie saßen in einem Cafe, auf der Straße, in politische Probleme vertieft. Der zwanzigjährige Russe ver- kündete mit weit vernehmlicher Stimme, der kommende Krieg werde die Weltherrschaft der slawischen Völker bringen. Jedes Volk sei einmal an der Reihe, und nun seien es die Slawen, die ans Steuer der Geschehnisse träten. Übrigens werde dieser Krieg dem russischen Volk die Demokratie bescheren!
Zweifellos sah der junge Mann den Kommunismus nicht voraus und hätte ihn auch nicht gewünscht. Der Sozialis- mus war ihm wesensfremd, dem sehr frommen Sohn eines begüterten griechisch-orthodoxen Hauses. Vielmehr dachte er, Rußland könne eine konstitutionelle Monarchie entwickeln, der sich alle slawischen Völker samt Ungarn und dem übrigen Balkan anschließen würden; habe dann vollends das«künst- liche österreichische Gebilde» unter seinem vertrottelten Mon- archen sich aufgelöst und Deutschland mit sich in den Ab- grund gezogen, so sei die drohende Gefahr des deutschen Imperialismus ein für allemal beschworen. Als ich ihn fragte, was denn nach seiner Meinung aus dem deutschen Volk wer- den solle, gab er zu, das freilich wisse er auch nicht— jeden- falls sei es, von seinen Fürsten und Kaisern und Königen erzogen, noch lange nicht reif zur Demokratie und müsse
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