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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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tels zu verbringen pflegten, nur die Stadtwohnungen der Eltern gekannt und den Ausblick auf andere Miet-Etagen. Hier nun weckte mich am frühen Morgen die Zwiesprache der Vögel. Oft lag ich lauschend in meinem Bett, lernte das Flöten der Amsel vom Schlag der Nachtigall unterscheiden und hörte die ferne Antwort, die aus einer anderen Welt zu kommen schien. Ich stand früh auf, besuchte die blühenden Bäume, die Rosen, die Geranien, am liebsten bei Sonnen- aufgang, solang noch der frische Tau auf den Blättern glit- zerte. Bei den stattlichen Rosenstöcken brauchte ich mich nur umzuwenden, um ein Bild tiefen Friedens zu genießen: da lag wie gerahmt in die Giebel der Stadt, von denen soeben der Dunst sich hob, der azurblaue See, über ihm die silberne Spitze des Bergs. Ich konnte mich immer nur mit ein wenig Gewalt gegen mich selbst von diesem Anblick lösen und be- dauerte, daß mein Studium mir so wenig Zeit zum Verwei- len ließ.

Beglückt fand ich unter meinen Mitschülern einen Gleich- gesinnten, der mich ins Bergsteigen einführte. Jeden Sonntag zogen wir auf einen UÜbungsplatz und erregten schließlich die Aufmerksamkeit eines Lehrers, der uns eines Tags be- gleitete, um unser Können zu prüfen. Zufrieden mit uns, führte er uns von da an zu größeren Felsbesteigungen und zu Gletschertouren. So habe ich die Einsamkeit des Gebirges kennengelernt, die bedrückende Enge der Felsenwelt und die Weite der großen Schneefelder. Meist brachen wir, ehe es hell wurde auf, und die Sterne wiesen uns den Weg. Bei diesen nicht immer mühelosen Besteigungen unterwies der Lehrer uns geschickt in der Sternkunde.

Es war der Sommer 1914. Wir kamen von einer Tour aufs Breithorn in der Monte-Rosa-Gruppe nach Interlaken hinab, dichte Menschenknäuel standen vor Plakatsäulen; Extrablätter verkündeten, der deutsche Kaiser habe die Mobilmachung befohlen. Ich las die Nachricht und blickte verstohlen auf die Gefährten. Mein Freund war Russe, unser Lehrer Franzose. Bis zu diesem Augenblick waren wir Kameraden gewesen; als wir nun weitergingen, war alles anders geworden. Ich be-