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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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fand ich nie Zeit. Und vor den großen Prüfungsarbeiten, die in meinen ersten Schuljahren wöchentlich, später auf Grund eines Ministerialerlasses monatlich einmal stattfanden, ging ich vor lauter Aufregung meist ohne Frühstück zur Schule. Daß dadurch meine Leistungen nicht gerade gehoben wurden, veısteht sich. Nicht selten verpfuschte ich mit zitternden Händen ganz unnötig etwas aus reiner Schwäche.

Glücklicherweise verharrten nicht alle Lehrer hinter ihrer Maske. Ein alter Mathematiker fragte gelegentlich meine Mutter, was mir wohl fehle, im mündlichen Unterricht sei ich immer gut bei der Sache, während meine Klassenarbeiten zu wünschen übrig ließen. Als sie ihm erzählte, daß ich vor Prüfungsarbeiten nicht essen könne, versprach er, einzugrei- fen. Und plötzlich stand er während eines schriftlichen Exa- mens, das den ganzen Vormittag dauerte, vor mir, ob ich heute morgen denn gefrühstückt habe. Als ich verneinte, be- fahl er mir, die Arbeit zu unterbrechen und zuerst mein Vesperbrot zu essen. Auf meine Antwort, daß ich dann nicht bis ein Uhr fertig werden könne, entgegnete er lächelnd: «Dann werden wir eben hierbleiben, bis du fertig bist aber, für eine schwere Sache braucht man eine gute Unterlage.»

Er hat Wort gehalten. Alle anderen waren schon nach Hause gegangen, ich arbeitete eifrig, und er saß auf seinem Katheder und las die Zeitung.«Nimm dir Zeib, sagte er in seinem Kölsch,«da müssen die bei uns beiden zu Haus eben mal was länger mit dem Mittagessen warten.» So konnte ich den«Pythagoras» geometrisch und algebraisch beweisen, das Wohlwollen des Lehrers gab mir Kraft. Gleich dem Segens- spruch der guten Fee im Märchen hörte ich seine Worte:«Nicht ein einziger Fehler- das hast du gut gemacht, mein Sohn! Nun mach aber auch endlich Schluß mit der Angstmichelei'»

Obgleich das im Ganzen wenig weiter half, für diesen Pro- fessor schwärmte ich und mit doppelter Anstrengung beteiligte ich mich an seinem Unterricht. Zur Begeisterung für die Schule hat das natürlich nicht gereicht. Erst in der Untersekunda wieder, nachdem ich wegen monatelanger Krankheit zurück- bleiben mußte, hat ein junger Lehrer mir durch Verständnis