Bett und tröstete mich. Ich sehe mich noch mit jenem Zeugnis, das mir so gar nicht gefiel, sein Zimmer betreten- er saß in seinem Sessel und las die Zeitung, schüchtern wartete ich an der Tür. Da blickte er sehr freundlich zu mir herüber und nahm das Zeugnis an sich.«Du bist, wie ich weiß, sehr fleißig gewesen», vernahm ich nach einer Weile,«trotzdem sind die Zensuren alles andere als gut. Es geht aber nicht alles glatt im Leben, manchmal spielt das Schicksal einen Streich und vernichtet alle Anstrengungen. Dir ist diesmal deine Krank- heit zum Verhängnis geworden. Ich bin zufrieden mit dem Zeugnis, es hätte schlimmer kommen können., Dann zog er seine Börse, entnahm ihr ein Goldstück und gab es mir mit den Worten:«Kaufe dir etwas Schönes, du hast es verdient, und wandte sich wieder seiner Zeitung zu. Von Dank wollte er nichts wissen.
Eine andere lustige Erinnerung an seine verständnisvolle Art: Ich war gerade fünfzehn Jahre alt, als ich im Stadtwald zum erstenmal ein Mädchen küßte. Freudestrahlend hatte ich tags darauf das Erlebnis der Mutter berichtet. Aber sie sah mich streng an und erwiderte in ihrem Frankfurter Dialekt, den sie nie hat verleugnen können:«Ungezogner Bub! Das werd’ ich dem Vater erzähle’, wart nur, wenn er heimkommt!» Nun hatte der Vater die Gewohnheit, am Eingang zweimal kurz zu klingeln, damit die Suppe auf dem Tisch dampfte, sobald er das Zimmer betrat. Ich weiß noch, wie diesmal mein Herz zu klopfen begann, als das gewohnte Signal ertönte. Die Mutter stand mit ernster Miene in Positur:«Weißt dw, sagte sie, auf mich deutend, als erstes,«was er gemacht hat? Er hat gestern im Stadtwald ein Mädchen geküßt und ist auch noch stolz drauf.» Der Vater blickte einen Augenblick lang vor sich hin, um sich dann zu mir zu wenden und zu fragen:«Ist sie schön!»«Ja», sagte ich ehrlich.«Sie ist sogar sehr schön!» Da erwiderte der Vater:«(Dann hast du völlig recht gehabt, mein Sohn», und floh vor den erstaunten Blicken der Mutter ins Bad.
Als ich vor der Berufswahl stand, erklärte mir der Vater, es sei sein sehnlichster Wunsch, daß ich einmal sein Nachfolger
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