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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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seinen Stoff vorher zurechtgelegt haben, denn er behandelte jeweils ein abgeschlossenes Thema und endete genau vor dem Portal des Geschäftshauses. Natürlich durfte ich meine Fragen stellen, obgleich er es nicht allzusehr schätzte, wenn ich ihn unterbrach.

Auch von der Geschichte des Geschäfts, das der Großvater im Jahr 1872 in Köln gegründet hatte, erzählte er mir und von seiner Heimat Michelstadt im Odenwald- wie er als Knabe dort auf Pferden durch den Wald geritten, verbotener- weise zur Winterszeit auf dem nahen Flusse Schlittschuh gelaufen und im Eis eingebrochen war. Lächelnd gestand er, als Bub im Nachbargarten Äpfel gestohlen zu haben und ent- nahm im Büro dem Schreibtisch das Bild eines kleinen Jungen, dessen rechte Hosentasche stark aufgebauscht war.«Das bin ich», sagte er,«und in der Tasche ist ein Apfel, den ich noch stiebitzt hatte, bevor wir zum Fotografen gingen.»

Als er gelegentlich von seinem Grundbesitz gesprochen und mir auseinandergesetzt hatte, warum es für den Einzel- händler rentabler sei, sein Geschäft im eigenen Hause zu betreiben, fragte ich voll Erstaunen:«Bist du reich, Vater» Und ich erinnere mich genau seiner ernsten Miene und seiner Antwort:«Reich ist etwas ganz anderes. Aber ich habe viel Erfolg in meinem Leben gehabt, weil ich immer sehr fleißig war, und weil ich, obgleich ich mein Ziel hoch steckte, nie- mals große Rosinen im Kopf trug. Ich habe keine Existenz- sorgen und bin ein freier Mann.» Dies hat er oft wiederholt und ebenso oft hinzugefügt:«Reich kann man nur im Innern sein, im Glauben an Gott, an Bildung, die man zu erwerben, und an Geduld, die man zu üben hat. Auf die äußeren Werte gebe ich nicht viel, Glück ist vergänglich, und das Geschäft verfiele, sollte ich nur für kurze Zeit nicht auf alles achten.»

Im allgemeinen war der Vater ein strenger Mann, den ich im Geschäft nur selten habe lachen sehen. Auch mich hat er zum Ernstsein erzogen und keine Nachsicht walten lassen, aber auch seine Güte gezeigt. Als ich in der Schule einmal, wegen einer langen Krankheit, nicht mitkam und darüber unglücklich war, verbrachte er manchen Abend an meinem

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