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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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waren die Läden sonntags bis drei Uhr geöffnet, aber er ließ schon um ein Uhr schließen, damit den Angestellten wenigstens ein freier Nachmittag zur Verfügung stand. Der «geschlossene Sonntag» ist in Deutschland ja erst nach dem ersten Weltkrieg eingeführt worden, und von der Fünftage- woche hat man damals nicht einmal geträumt. Freilich war das Leben insgesamt ruhiger, die Zeit riß nicht an den Nerven wie heute, und die Tage gingen noch ohne allzuviel Lärm dahin. Auch die Entfernungen innerhalb der Städte waren keineswegs so beträchtlich. Wir wohnten ganz am Rande der Neustadt, konnten aber das Zentrum, in dem das Geschäft lag, zu Fuß bequem in einer halben Stunde erreichen. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, daß die städtische Straßenbahn von Pferden gezogen wurde, und daß Dreh- orgelmänner, vom Fahrdamm her, mit Walzern und weh- mütigen Liedern manchem die einzige musikalische Unter- haltung des Tages lieferten, die durch ein paar aus dem Fenster geworfene Pfennige belohnt wurde. Spazierte ich des Sonntagmorgens mit dem Vater durch die Straßen, so be- gegneten uns nur wenige Passanten; es gab kaum Autos, Pferdewagen waren um diese Zeit selten unterwegs. Wir be- vorzugten Nebenstraßen und gingen in der Mitte der Fahr- bahn, während der Vater vom Geschäft erzählte.

Auf diesen Sonntagsspaziergängen hat er mich, zunächst etwas spielerisch und später mit aller Eindringlichkeit in das Wesen seiner Unternehmungen eingeführt, im Laufe derJahre mich mit den Grundzügen der Buchführung ebenso vertraut gemacht wie mit seiner Auffassung von Treu und Glauben, mit der Technik des Einkaufs, mit der Psychologie von Mit- arbeitern und Kunden, mit den Problemen der Werbung. Auch die Organisation des Stammhauses und die Koordina- tion der Filialen in Bonn, Koblenz und Frankfurt lernte ich dabei kennen. Mit vierzehn Jahren war ich theoretisch bereits gut beschlagen. Gewiß, ich hätte das Unternehmen nicht führen können, weil mir Erfahrung und Überblick fehlten, aber ich hatte einen mündlichen Lehrgang hinter mir, der mir stets wertvoll gewesen ist. Der Vater muß sich

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