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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
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ruhig zu verhalten. Und so saßen wir dann artig auf unsren Stühlchen und wagten kaum, uns zu rühren. Ringsumher schielten die kleinen und großen Kunden neugierig zu uns herüber, während die Mutter wählte. Uns selbst war streng untersagt, eigene Wünsche zu äußern. Schließlich erschien der Vater. Ein anderer Vater als der, den wir zuHause kannten. Hier im Geschäft beachtete er uns kaum, er prüfte nur sorg- sam, ob die neuen Schuhe wirklich paßten, sprach leise mit der Verkäuferin und verschwand wieder.

Im dritten Stock hatte die Großmutter ihre Wohnung, und neben dem Haus stand die Kirche, deren Mauern mit ihm zusammenstießen. Eine kleine Kirche, in gotischem Stil, nicht besonders schön, indes freundlich und ehrwürdig, und ich liebte dieses Gotteshaus wohl auch, weil es eine Orgel hatte, deren Klang mir vertraut war: sie stand an der Stelle, an der auf unsrer Seite die Küche der Großmutter lag. Als Kind habe ich oft dort gesessen und den Liedern und Fugen gelauscht, die von drüben über das Herdfeuer kamen. Später, als ich einen Stock tiefer im Büro saß, wehten die Orgeltöne mir über den Schreibtisch. Dann unterbrach ich gern die Arbeit und ließ mich von ihnen zurücktragen in die Tage der Kindheit, die ich bei der Großmutter verbracht hatte.

Die Wohnung der alten Frau lag über dem Geschäft des Vaters. Ein hohes Treppenhaus führte außerhalb der Geschäfts- räume zu ihr empor und ließ schon ahnen, wie abgeschieden die Großmutter lebte. Stieg ich hinauf, so war mir, als begebe ich mich in ein geheimes Reich. Ruhe war dort zu finden und Verständnis für die Aufregungen des kindlichen Lebens.«Setz dich erst einmal und trink ein Glas Wasser, sagte sie, wenn ich verstört zu ihr kam. Dann setzte sie sich in ihren Sessel und ließ sich erzählen. Geduldig konnte sie zuhören und am Ende lächelnd einen Rat geben, Sorgen verscheuchen, ihre Vermitt- lung bei den Eltern versprechen. Sagte sie«Da kann ich mich nicht einmischen», so kam das einer Ablehnung gleich; sagte sie aber«Ich werde mit deinem Vater reden», so durfte ich meine Bitte als gewährt betrachten.

Ihre Wohnung war für den Vater unantastbar. Einen Archi-

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