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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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Für meine Kindheit war das Geschäft ein Reich, das der Vater errichtet hatte und in welchem er regierte das Schuh- haus Joseph in einem weitausladenden, blockartigen Gebäude an der breitesten Stelle der Schildergasse, die zu den Haupt- straßen Kölns gehört. Für uns Kinder war es jedesmal ein Erlebnis, mit der Mutter einen Besuch dort zu machen. Von weitem schon sahen wir freudig erregt die vielfenstrige Fas- sade, die in ihrer großzügigen Architektur sich von den klei- neren Häusern der Umgebung abhob. Mit Stolz las ich immer wieder das prächtige Schild mit unserem Namen, ließ den Blick über die Front schweifen und war begeistert, wenn vor den sieben Schaufenstern die Leute sich drängten.

Drinnen wurde man fasziniert von den endlosen Reihen blinkend weißer Schachteln, die in vom Boden bis zur Decke die ganzen Wände entlang laufenden Regalen eingeordnet waren. Schaukästen, auch tagsüber beleuchtet, unterbrachen hie und da die Front der Schachteln und zeigten in strahlen- dem Licht die begehrten Hüllen zum Schutz der Füße.

Es ist eine eigene Sache mit ihnen. Man sagt wohl«ein schönes Füßchen» und denkt doch eher an die vom Menschen erdachte, raffinierte Hülle als an das Naturgebilde selbst, das in entblößtem Zustand so viel vom ganzen Menschen verrät, auch dann, wenn weibliche Eitelkeit die an die Urzeit unsres Geschlechts gemahnenden Zehennägel mit rotem Lack ver- deckt hat. Dem Gang und mithin im wörtlichsten Sinn dem Ergehen des Menschen galt eigentlich also unser Bemühen. Wie elegant schwingt ursprünglich der leicht federnde Bogen des Fußes sich- und wie vielmals malträtiert und deformiert zeigt der so wichtige Teil unsres Körpers sich dem Verkäufer der Hülle, der hernach für Schmerzen und Schwierigkeiten verantwortlich gemacht wird. Womit zur Genüge dargetan ist, daß die Schuhmacherei eine Kunst ist, die, wie jede andre, Sinn für Schönheit und Begabung zum Handwerk erfordert. Ein Kleidungsstück läßt sich rasch ändern, wenn der Käufer, durch den Anblick verlockt, die genauen Maße verkannte und auf dem Erwerb bestand. Ein Schuh hingegen muß passen. Vom Kindergarten bis zum Totenbett bleibt der Fuß in ihn

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