f
Will man ob dieser Geisteshaltung aber die Frage der Schuld erwägen, dann suche man sie nicht bei der Jugend, sondern bei den Erziehern. Alle Jugend- erziehungsprobleme werden somit zu einem Erzieherproblem.
Ihnen allen, den Lehrern und Professoren, den Jugendleitern und nicht zuletzt den Eltern, ein Hilfsmittel an die Hand zu geben, aus dem Quell edelsten Menschentums zu schöpfen, diese Aufgabe schwebt uns gleichfalls mit diesem Büchlein vor.
Schließlich sei es bestimmt, der Erforschung des deutschen Widerstandes zu dienen. Es gab eine deutsche Widerstandsbewegung, daran ist nicht mehr zu rütteln. Wenn der englische Staatssekretär Vansittard— ähnlich wie Frau Strecker in Amerika— verkündete, daß ihm keine Bewegung bekannt ge- worden wäre, die geeignet gewesen wäre, den Nazismus ernsthaft zu ge- fährden, dann ist er von der Wahrheit genau’so weit entfernt wie jene, die glauben, die deutsche Widerstandsbewegung mit der Glorie des geheimen Einverständnisses, ja eines Kampfes des ganzen deutschen Volkes umkränzen zu können. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Wenn Vansittard glaubt, die Größe der Tat nur nach dem Erfolg messen zu dürfen, so sei ihm das Wort en ulgegengerufen:„Es ist nichts allewege gut, es sei’ denn-ein guter Wille!”
Man wird dem wahrhaften Heldentum jener Kämpfer um Freiheit und Menschen- würde sicher nicht gerecht, wollte man die Bewegung verkleinern auf den Kampf einzelner Gruppen und Menschen. Sie alle fügen sich mosaikartig zu “ einem Gesamtbilde zusammen, das nicht voneinander getrennt werden kann, zu einem Mosaikbild des stillen Duldens und opferreichen Kämpfens, das seine Parallele in der Schaurigkeit der Verfolgung wie Größe des Opfermutes
nur in der Zeit der Christenverfolgung vor fast 2000 Jahren findet.
So ist die Literatur über den Widerstand in ihrer Verschiedenartigkeit nur als ein Ganzes zu betrachten. Wenn im folgenden doch der Versuch unternommen wird, eine gedankliche Gliederung, ja sogar eine Aufgliederung nicht nur nach einzelnen Marterstätten, sondern auch nach einzelnen Widerstands- gruppen vorzunehmen, so geschieht dies nur, um der erst in den Anfängen steckenden Widerstandsforschung zu dienen. Ihnen, die an dieser so wertvollen Aufgabe arbeiten, sei durch die aufgezeigte Schematik ein vielleicht nützlicher Hinweis gegeben, wie die Arbeit anzupacken sei. Erst dann kann den Histo- rikern das gesamte Material übergeben werden, um jenen Baustein in das große Gefüge der Weltgeschichte einzufügen, in der die vergangenen zwölf Jahre, mißt man sie an der Zahl der Opfer, tatsächlich in grauenvoller Wirk- lichkeit sich zu einem Jahrtausend ausweiten.
Die deutsche Widerstandsbewegung war ein Teil des internationalen Wider- standes gegen den Faschismus. Überall spielt sie in diesen hinein(Partisanen, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeit usw.). Somit muß dieser auch in diese. Literaturzusammenstellung einbezogen werden.
Man könnte aus der Fülle des Materials so etwas wie eine Kernbibliothek zu- sammenstellen, um mit ein bis zwei Dutzend Büchern einem unbefangenen Leser der Jetztzeit— oder auch einer kommenden Generation— einen ge- treuenEinblickin das Wesen desWiderstandes zu vermitteln(Siehe Anhang IV/C). Sicher würde man damit aber keineswegs der Literatur gerecht werden. Wir werden vielmehr versuchen, nach verschiedenen Gesichtspunkten die gesamte
7


