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Einführung in die Widerftandsliteratur 6.
rei Jahre nach der Zertrümmerung des Nazireiches ist es an der Zeit,
‚einen Überblick zu gewinnen über die bisher erschienene Widerstandsliteratur.
Dies soll mit dieser kleinen Schrift versucht werden. Es ist keine Anthologie, kein literarisches Essay, sondern eine schlichte Zusammenstellung; gegliedert vielleicht nur nach den Gesichtspunkten, die für die kommende Widerstands- forschung von Bedeutung sein werden, gedacht aber auch als Hinweisquelle für Richter, die um die Wiederherstellung der Menschenrechte, und Erzieher, die um die Vermittlung eines humanistischen Geschichtsbildes, das die freiheit-
liche Tradition in unserem Volke lebendig werden läßt, bemüht sind. Nicht
zuletzt möge sie für manchen Gefährten ein Schlüssel zum Vergangenen sein, in dem sich das eigene Erleben spiegelt, das grauenvolle Durkel, aber auch das warme Licht der Solidarität.
Während der 12 Jahre des'Dritten Reiches konnte naturgemäß nichts über den Widerstond in Deutschland geschrieben werden, es sei denn im Ausland. Nach- dem der Damm des Verbotes gebrochen war, ergoß sich eine Flut von Schriften über das zwar nicht ahnungslose, zum Teil aber doch wirklich unwissende deutsche Volk. Es ist klar, daß mit dieser Flut mancher Schlamm mitgewälzt wurde; Schlamm, der sich erst langsam abzusetzen begann. Manche Broschüre, die ins Land flutete, geschrieben in bester Absicht, aber noch unter dem un- mittelbaren Eindruck des grauenvollen Erlebens der KZ-Hölle, war so dem Leser„von draußen” völlig unverständlich. Sehen wir ab von der Form, so
war auch selbst im Ton ein fremder Klang, der nicht ins Ohr, geschweige denn
ins Herz des Lesers drang.
Heute fragen wir, ob die Distanz groß genug ist, die uns von jener Zeit trennt, um das KZ-Erlebnis gestalten zu können. Tatsache ist, daß inzwischen eine sehr große Anzahl von Literaturerzeugnissen über Konzentrationslager und über den Widerstand erschienen ist. Nichtsdestoweniger kann man nicht davon sprechen, daß dadurch eine Besinnung oder gar eine Sinneswandlung der Teile‘des deutschen Volkes, die durch Mittun oder Dulden am Nieder- bruch Deutschlands Verantwortung tragen, herbeigeführt worden ist.
Woran liegt das® Sicher nicht nur daran, daß diese Bücher, und es ist bereits die erkleckliche Zahl von nahezu 400 zu sichten, in so geringer Auflage er- scheinen, daß sie nur einen bestimmten Leserkreis erfassen können. Vielleicht zum Teil daran, daß die berufenen Sprecher selbst noch nicht die rechte
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