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Der 14jährige Krieg 1931 - 1945 / von William H. Hale ; herausgegeben im Auftrag von Information Control Division, U.S. Forces European Theater
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waren erniedrigt worden, das französische Bündnissystem lag in Trümmern und der Grundsatz der kollektiven Sicherheit schien

vollständig verworfen worden zu sein. Die Völker in den Demo-

kratien waren bitterlich desillusioniert, und in gewissen Kreisen wurde die Frage aufgeworfen, ob die Westmächte, die jetzt ihrer Freunde und ihres Selbstrespektes beraubt waren, überhaupt noch die Entschlußkraft aufbringen könnten, sich dem Vormarsch de nationalsozialistischen Macht entgegenzustemmen.

Aber in ihrer Erniedrigung waren die Völker dieser Länder zu dem Schluß gekommen, daß etwas auf dem Spiele stand, was viel größer war als Gebiete und Grenzen. In großen Versammlungen, in örtlichen Wahlen, in Zeitungen und Pamphleten drückten immer mehr Menschen die Ueberzeugung aus, daß es ihre Lebens- auffassung war, die auf dem Spiele stand. Der nächste Angriff gegen eine friedliche Nation würde, so folgerten sie, gleich- bedeutend mit einem Angriff auf sie alle sein. Es war zu erwarten, daß dieser nächste Angriff wahrscheinlich gegen Polen gerichtet sein würde. Derart unter Druck gesetzt, schloß Großbritannien sich Frankreich an in dem feierlichen Versprechen, daß man Polen zu Hilfe kommen werde, falls es angegriffen werden sollte. Die Verhandlungen zwischen den Westmächten und der Sowjet- union über die Verteidigung Polens waren jedoch nicht erfolg- reich, und als die Sowjetunion im August 1939 einen Nicht- angriffspakt mit Deutschland unterschrieb, entschloß sich Adolf Hitler, mit der Unterstützung seines Generalstabs den schicksals- schwersten Schritt der Geschichte der Gegenwart zu unternehmen.

Die Welt im Fall

Am Morgen des 1. September setzten die Deutschen 90 Infan-

terie-Divisionen, 9 mechanisierte Divisionen und 6500 Flugzeuge gegen Polen ein. Die Polen begegneten ihnen mit 42 Infanterie- und Kavallerie-Divisionen und einer veralteten Luftmacht. Inner- halb von 4 Wochen war der polnische Widerstand niedergekämpft.

Die deutsche Regierung hatte bis zum letzten Augenblick, bevor der Befehl zum Angriff gegeben wurde, gehofft, daß angesichts solch überwältigender Macht und ohne Unterstützung von seiten Rußlands England und Frankreich ihr Versprechen gegenüber Polen nicht halten würden. Jetzt nach dem Sieg über Polen er- wartete die deutsche Regierung, daß die Westmächte ihr Ver- sprechen als gehalten betrachten und sich entscheiden würden,

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