m 18. September 1931, um 10.30 Uhr abends, erhielt der
Stationsvorsteher des Bahnhofs der Südmandschurischen Eisenbahn in Mukden wie üblich das Signal, daß der wie jeden Tag in südlicher Richtung gehende Expreßzug aus Changshun an- gekommen sei. Der Zug lief fahrplanmäßig ein, alles erschien vollständig normal, die Passagiere stiegen aus und gingen ihrer Wege.
Wenige Stunden später aber erließ der Oberkommandierende der japanischen Streitkräfte in der Mandschurei, General Honjo, eine Proklamation, in der es hieß, daß Personen chinesischer Nationalität den Zug, der einer japanischen Gesellschaft gehörte, auf dem Wege nach Mukden überfallen hätten, nachdem sie eine Gleisstrecke durch Minen zerstört hätten. Zeitungskorresponden- ten wurde danach auch ein explodiertes Stück des Gleises von japanischen Beamten gezeigt. Niemand. konnte allerdings er- klären, wie der Mukden- Expreß über die aufgerissene Gleis- strecke gekommen war, ohne selbst den geringsten Schaden zu erleiden. Inzwischen aber war der Frieden im Fernen Osten ge- brochen worden, da alle japanischen Truppen in der Mandschurei in der Nacht von Changshun bis Port Arthur eine allgemeine Offensive begonnen hatten. Der„Zwischenfall von Mukden” hatte den Krieg im Fernen Osten entzündet— den Krieg, dessen Flammen schließlich in die ganze Welt schlagen sollten. Aber die europäischen und amerikanischen Zeitungen waren zu jener Zeit mehr mit der Wirtschaftskrise in ihren Ländern beschäftigt und widmeten dem„Zwischenfall“ nur ein paar Zeilen.
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