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dieser historischen Barriere übersprungen. Aber die. tschecho- slowakische Festung, obwohl sie schon teilweise eingekreist war, blieb noch bestehen.„Wer Böhmen beherrscht, beherrscht Europa!” hatte Bismarck einst gesagt. Während des Sommers wurde es den europäischen Regierungen immer klarer, daß Deutschland in der unmittelbaren Zukunft etwas gegen die Tschechoslowakei unternehmen werde.
Ein Anzeichen dafür war, daß Hitler in aller Eile Befestigungs- werke an der französischen Grenze bauen ließ, um eine mögliche Gegenaktion des westlichen Verbündeten der Tschechoslowakei abzuwehren. Ein weiteres Anzeichen war, daß groß angelegte Manöver der deutschen Wehrmacht für den Monat September an- gesetzt waren. Das dritte und deutlichste Anzeichen aber war die Tätigkeit Konrad Henleins und seiner Leute, die die Sudeten- deutschen im befestigten Grenzgebiet der Tschechoslowakei mobilisierten. Am 12. September brach der Sturm los: Hitler kündigte an, daß Deutschland für die„Befreiung der Sudeten- deutschen, wenn nötig, in den Krieg ziehen würde. Premier- minister Chamberlain flog nach Berchtesgaden und versuchte, Hitler zu überreden, die Sache auf dem Verhandlungswege zu lösen und so einen allgemeinen Krieg zu vermeiden. Aber Hitler fühlte sich um so stärker, als Mussolini erklärt hatte, daß Italien bereit sei, an der Seite Deutschlands in den Krieg einzutreten. Unentschiedenheit in ihren Reihen schwächte auf der anderen Seite die Reihen der alliierten Staatsmänner. Auf einer Schluß- konferenz in München, von der die Tschechoslowakei und die Sowjetunion ausgeschlossen waren, diktierte Hitler seine Be- dingungen: Das Sudetengebiet sollte intakt an Deutschland aus- gehändigt werden, zusammen mit allen tschechischen Befesti- gungsanlagen und anderen militärischen Einrichtungen und Material. Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs scheuten noch immer vor einem Kriege zurück und fügten sich dem Ultimatum; die Tschechen, die auf diese Art allein standen, hatten keine andere Wahl als sich zu fügen.
Das nationalsozialistische Deutschland stand jetzt auf dem
Gipfel seiner Macht. Nicht nur hatte man dem tschechischen
Staate ein Drittel seiner Bevölkerung und mehr als ein Drittel seines Gebietes mitsamt allen seinen Befestigungen genommen; was noch von der Tschechoslowakei übrig war, war außerdem vollkommen vom Reich abhängig, und der Weg nach Osteuropa lag weit offen vor Hitler. Die großen Nationen Westeuropas
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