Evang.-luth. Kirche in Bayern und Bayer. Pfarrer- verein haben den Anschluß an das Dritte Reich nicht gefunden.
Piarrer R....
‚ den 19. Mai 1938.
Evangelisch-lutherischen Landeskirchenrat München.
Betreff: Diensteid der Geistlichen.
Die Leitung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern
und die Führung des Bayerischen Pfarrervereins haben den An-
schluß an das Dritte Reich heute noch nicht gefunden. Es bestehen folgende Tatsachen:
IL
Das Dritte Reich, identisch mit dem Nationalsozialismus, wurde von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern mit ganz und gar nicht freudigen Gefühlen begrüßt; es wurde große Zu- rückhaltung, es wurde Distanz vom Nationalsozialismus emp- fohlen und auch gehalten. Wie lange hat es z. B. gedauert, bis die neue Führung des Staates in das Kirchengebet eingeschlos-
sen wurde! Welche Aeußerungen fielen! Wieviel Widerstände wurden gemacht.
. Der vom Führer bestätigte Reichsbischof Ludwig Müller und
seine Anordnungen wurden mit allen Mitteln bekämpft. Für die kirchliche Anarchie in Deutschland trägt die Evangelisch-luthe- rische Kirche in Bayern ein großes Teil der Schuld.
. Der vom Reichsbischof Ludwig Müller empfohlene Eid auf den
Führer wurde von der bayerischen Landeskirche nach allen Richtungen hin als unmöglich abgelehnt. Eine eigene Nummer
des Amtsblattes Nr. 25 vom 22. August 1934 beschäftigt sich mit dieser Angelegenheit.
. Der Vorsitzende des Bayerischen Pfarrervereins bezeichnete in
der großen Versammlung der fränkischen Pfarrer, welche im Spätsommer 1934 in der Moritzkapelle zu Nürnberg stattfand,
den Eid auf den Führer als einen Strick um den Hals der Pfar-
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