Zur Einführung.
Was wir hier der Oeffentlichkeit vorlegen, sind Dokumente des Kampfes, den die evangelische Pfarrerschaft, weithin stellvertre- tend für die evangelische Kirche, ja für das deutsche Christentum
“schlechthin, in den letzten 12 Jahren zu bestehen hatte.
Auch die Geschichte dieser 12 Jahre wird einmal geschrieben werden müssen, besonders Art und Weise des weltanschaulichen Kampfes des Nationalsozialismus gegen die christlichen Kirchen. Am Tage von Potsdam hatte Hitler in feierlicher Form bekundet, daß die„nationale Regierung“ in den beiden christlichen Konfes- sionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums sähe, und noch war unbeachtet geblieben das Wort von Rosenberg, man müsse„die Kirchen organisatorisch verkümmern“ lassen.
Unser Volk hörte nur Potsdam. Es hörte auch nur Reden wie auf dem Bückeberg 1933:„An unseren Herrgott richten wir in die- ser Stunde in Demut die Bitte, uns auch in Zukunft seinen Segen zu geben zu unserem Werk und das tägliche Brot,“— es hörte Die- ses und Aehnliches und ahnte nichts von dem Kampfe um die „organisatorische Verkümmerung der Kirchen“, der sich hinter der „frommen“ Fassade abspielte und von dem diese Dokumente zeugen.
Wenn es nur bei diesem Kampfe geblieben wäre! Schließlich wären die Kräfte des Evangeliums und die unserer evangelischen Gemeinden stark genug gewesen, diesen Kampf zu bestehen. Aber gleichzeitig stand die evangelische Pfarrerschaft in einer Flut der Diffamierung, Ehrlosmachung, Verdächtigung und Kränkung wie nie zuvor.
Was haben wir dagegen getan? Die deutsche evangelische
Pfarrerschaft legt in diesen Blättern eine Art Weißbuch vor. Die
Oeffentlichkeit, auch unsere Gemeinden, sollen und müssen wissen, wie und wo wir standen und durch welche tiefe Not der evan- gelische Pfarrerstand hindurchgehen mußte. Das polizeiliche Sy- stem des Nationalsozialismus hatte es ja vermocht, daß solche Stel- lungnahmen über den Kreis der Tragenden kaum hinauskamen und hinauskommen konnten.
Pfarrer sein und aus einem evangelischen Pfarrhaus stammen, das war so gut wie Volksgenosse zweiten Grades sein. Selbst im Kriege, ja selbst vor den Toten des Krieges machte diese Diffamie- rung nicht Halt. Bei akademischen Gedächtnisfeiern der Univer- sitäten wurden die Namen gefallener evangelischer Theologen nicht genannt, und Hermann Göring fragte geringschätzig, wo denn über-


