Druckschrift 
Dokumente zum Abwehrkampf der deutschen evangelischen Pfarrerschaft gegen Verfolgung und Bedrückung : 1933 - 1945 / Reichsbund der Deutschen Evang. Pfarrervereine e.V. ; Für den Verband der Deutschen Evang. Pfarrervereine e.V. verantwortlich herausgegeben von seinem Vorsitzenden Kirchenrat Fritz Klingler
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen

ij 1988.

5. An Stelle des abgelehnten Führereides nahm man den Pfarrern eine eidesstattliche schriftliche Verpflichtung ab, die auf die Person des Landesbischofs Meiser verpflichtete und heute noch in Kraft steht. Zu dieser eidesstattlichen Verpflichtung traten in der Folge noch weitere schriftliche Verpflichtungen gleichen Sinnes. Diese Bindung widerstreitet dem Eid auf den Führer, ja, sie hebt ihn von vornherein auf und macht ihn null und nichtig.

boBlarter Br...... war als Amtswalter auf den Führer ver- eidigt. Getreu diesem Eid hat er staatsfeindliche Aeußerungen, die auf der Pfarrerkonferenz fielen, der Partei gemeldet. Wegen dieser Treue zum Führereid wurde unser Kamerad Br......- dann von der Kirche verfolgt, was zu dem bekannten traurigen Ausgang führte.

Angesichts dieser Tatsache halte ich es für undenkbar und unmöglich, daß die bestehende Führung jemals den Eid auf den Führer leistet bzw. ihn von den Pfarrern fordert. Am allerwenig- sten vermag ich mir vorzustellen, daß ein voller, ganzer, vorbehalt- loser Eid geleistet werden könnte. Aber nur ein solcher Eid hat Sinn und erfüllt seinen Zweck.

Ich will aber die Schande, daß der Pfarrerstand als einziger Beamtenstand den Führereid heute noch nicht geleistet hat, für meine Person nicht länger tragen. Darum habe ich aus freiem Entschluß und mit freiem Willen am Sonntag, den 15. Mai 1938 in die Hand des Oberkirchenrats St......inE... den Eid auf

den Führer geleistet. gez Rh... ,‚ Pfarrer.

103