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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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70 Prozent der Gefangenen waren Ausländer aller europäischen Staa- ten, meist ganz harmlose Menschen, die wegen Schwarzhandels in Haft saßen. Ein Italiener war darunter, der den Verlust seiner Freiheit sehr schwer empfand, und den meine heitere Miene stets tröstete; treuherzig versicherte er mir jedesmal, was für eine seelische Stärke ihm mein Anblick bedeute. Er wisse gut, daß ich auch‘ nur mit dem Munde, nicht mit dem Herzen lache, aber einen erfreulichen Anblick böte ich darum nicht minder.

Mitte März wurde ich krank; wahrscheinlich infolge der veränderten Kost bekam ich genau an derselben Stelle an der linken Halsseite, wie vor 25 Jahren, eine Drüsengeschwulst, die Fieber und Schmerzen ver- ursachte. Ich war sehr niedergeschlagen und in ziemlicher Sorge, da lange kein Arzt verständigt wurde. D. behandelte mich zwar auf seine

Art aufmerksam, gab mir allerhand Tabletten, aber davon wurde es nicht besser. Nach 10 Tagen bekam er es doch mit der Angst zu tun und ließ den Gefängnisarzt aus Stadelheim kommen, welcher sofort die Überführung in die dortige Krankenabteilung anordnete, damit er mich unter Kontrolle halten könne. Mein Anwalt und auch Herr D. hatten ihn über meine Person informiert und er gab sich auch wirklich viel Mühe mit mir.

D. hatte auch den Verwalter der Stadelheimer Krankenabteilung, Herrn Ha. verständigt, der wie er ein überzeugter Antinazi war. Da- von wußte ich aber nichts, und als ich nach einer schrecklichen Fahrt im Zeiserlwagen in Stadelheim landete, war ich auf’s äußerste erstaunt über die aufmerksame Behandlung. Ha. fragte mich, ob ich lieber in einer Einzelzelle sei oder in Gemeinschaft. Im letzteren Fall würde er mich im Zimmer des Hausels, nicht bei den anderen Kranken unter- bringen. Es sei ein schöner Raum und der Hausel ein anständiger Mensch. Es kam mir fast so vor, als sei ich in einem Hotel und der Portier würde mich fragen, welches Zimmer ich bevorzuge. Tatsächlich ging es mir in Stadelheim sehr gut. Nach Ha.’s Aussage schlief ich in dem nämlichen Bett, in dem auch Hitler einmal, als er während seiner Haftzeit erkrankte, gelegen hatte. Aber mir wünsche er eine baldige Genesung, fügte er schmunzelnd hinzu. Der Herr Verwalter pflegte

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