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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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teil ausfolgte. War man in dieser Beziehung nobel, dann hatte man

ihn zum Freund und er belohnte einen, indem er einen aufforderte, an der politischen Lagebesprechung teilzunehmen.

Je länger ich im Gefängnis war, desto schwerer wurde es mir, die kriminellen Häftlinge zu verurteilen. Mit der Zeit fand ich eigentlich fast alles irgendwie aus der Situation, in der sich die einzelnen be- fanden, begreiflich. Außerdem erkannte ich, daß keiner nur gute oder nur schlechte Eigenschaften hatte. Auch in dem abgefeimtesten Gauner steckte in irgendeinem Winkel seines.Wesens der Drang, manchmal auch Gutes zu tun. Z. B. war da im Packraum der Papier- arbeiter, so ein junges Bürscherl, beschäftigt, von rascher Auffassungs- gabe, fleißig, intelligent, voll Humor, der nur durch die Kriegsver- hältnisse, die seiner Abenteuerlust keine Hemmnisse in den Weg-legten, auf die schiefe Ebene geraten war. Er hatte einer jugendlichen Ein- brecherbande angehört, aber ich bin sicher, daß bei seinen Streichen ein gutes Stück Räuberromantik’/mit im Spiel war. An richtiger Stelle hätte er bestimmt etwas Ordentliches leisten können. Er war ein guter Kamerad und es machte mir stets Freude, wenn ich in sein fideles L.ausbubengesicht blickte. Ohne Bedenken bestahl er sogar die Zellen- häftlinge, wenn es gerade möglich war und er bei der Verteilung der Papierarbeit Gelegenheit dazu fand. Auch machte er, unter Aus- nutzung des Hungers dieser armen Eingeschlossenen die lukrativsten Tauschgeschäfte. Eine neue Jacke etwa gegen ein paar Stück Brot, die er seinerseits aus der Küche stahl, andererseits hatte er einen Ka- meraden, mit dem er selbst wiederum alles teilte, was er sich auf diese Art erwarb und an einem alten Kroaten, der die Arbeiten im Pack- raum leitete, hing er wie ein Kind an seinem Vater, nannte ihn Onkelchen und tat ihm, was er ihm an den Augen absehen konnte. Viel Stoff zur Heiterkeit gab ein junger Sittlichkeitsverbrecher, ein geistig etwas zurückgebliebener, aber sonst gutmütiger 17jähriger Bursche, der ein Verhältnis mit einer Kuh gehabt hatte. So oft er mit einem Ballen Papier in den Packraum trat, schrien alle wie aus einem Munde ,‚‚Muh, Muh“, was ihn aber eher zu erfreuen als zu beschämen

schien.

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