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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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lungen über seine früheren Positionen Eindruck zu machen. Dabei

schoß er aber so weit über das Ziel hinaus, daß man gerade umge-

kehrt begann, ihn für einen Hochstapler und Schieber zu halten, und ihn dadurch vielleicht wieder nach der negativen Seite zu gewichtig nahm. Auch mit den Wachtmeistern verdarb er es sich mit der Zeit dadurch, daß er sie ständig gegeneinander ausspielte, was diese all- mählich doch zu merken begannen. Das Spiel endete damit, daß er bald nach meinem Weggang von Herrn Roth, der sonst die politischen Häftlinge stets beschützte, wieder in die Zelle gesperrt wurde.

Dennoch wirkte er als amüsante Figur und sorgte unfreiwillig für den Humor, indem er sich, da wir nun gewitzigt waren, oft von uns auf seinen Schlichen ertappen ließ und wir ihn dann die längste Zeit im Ungewissen zappeln ließen. Seinen Geburtstag im August feierten wir auf eine Weise, daß das ganze Gefängnis, Wärter wie Gefangene, noch tagelang darüber lachten. Im Gänsemarsch betraten‘ wir des Morgens seine Zelle und brachten ihm eine kleine Gabe aus aufgesparten Lebens- mitteln. Den literarischen Teil hatte ich besorgt. Ich verfaßte eine Glückwunschadresse, in der ich auf alle seine Untugenden anspielte, ohne daß er es direkt merkte. Auf das Kuvert setzte ich seine sämt- lichen Würden, die er nach seinen Erzählungen innegehabt haben sollte. Der Brief hatte folgenden Wortlaut:„Motto: Süß wie Honig möge Dir die Rede von den Lippen träufeln.— Die Unterzeichneten erlauben Sich Hochdero Gnaden in submissester Devotion ihre ehrer- bietigsten Glückwünsche zum 45. Geburtstagsfest geziemendst darzubrin- gen. Die beigefügte kleine Gabe, ein Gläschen Honig, möge in symbolhaf- ter Weise an Euer großes Vorbild, den heiligen Ambrosius gemahnen, den berühmten Dr. Mellifluus der altchristlichen Kirche, dem es gleich Euch verliehen war, durch die süße Gewalt seiner Rede allenthalben Friede und Eintracht auszubreiten. Es erübrigt sich darauf hinzu- weisen, daß Gedankenverbindungen, die sich um.die volkstümliche Redensart ‚jemand Honig ums Maul schmieren‘ bewegen, durchaus irreführend sind und der Lauterkeit unserer Absichten widersprechen.“

Es folgen die Unterschriften.

Unter den einfacheren Gefangenen war der Hausknecht R., ein ge-