der Art am Boden ausgebreitet, daß je zwei den an den beiden
Schmalseiten befindlichen Pritschen vorgelegt wurden, die dritte kam unter die Fensterseite, in der Weise, daß das Kopfende zwischen die beiden Pritschen zu liegen kam, während der Schläfer mit Leib und Füßen sich unter die eine Pritsche strecken mußte. Der neunte Schläfer hatte den unbequemsten Platz, er mußte sein Lager unter den etwa 60 cm breiten und 2 m langen Tisch ausbreiten, an ein Umdrehen war in dieser qualvollen Enge kaum zu denken. Da ich der letzte An- kömmling war, mußte ich dieses Lager beziehen. Gott sei Dank brauchte ich nur zwei Nächte in diesem fürcherlichen Raum zuzu- bringen; geschlafen habe ich kaum eine Stunde’ und die Gefängnis- psychose, die sich wie ein eiserner Ring um mein Herz legte und mir fast den Atem benahm, hatte ich damals noch lange nicht über- wunden.,
Es war etwa zwei Uhr Nachmittag. Der eine Gefangene war ein blonder russischer Student. Er stand meistens am Fenster und summte etwas vor sich hin. Von Zeit zu Zeit zog er die Photographie seiner Freundin heraus, betrachtete sie wehmütig und sagte in gebrochenem Deutsch:„O, meiner Liebe, meine Herz!“ Im übrigen war er gefaßt und beinahe heiter; sah mich an, machte die Gebärde des Halsab- schneidens und meinte, led Kopf ab, vielleicht auch nicht!“ Er war ein aus Stalinow verschleppter- Zivilarbeiter, den man mit mehreren Komplizen der Sabotage bezichtigte. Was später aus ihm geworden ist, weiß ich nicht.
Der andere war ein magerer, etwas älterer Mann, der mit eingezoge- nem Kopf dauernd um den Tisch herumlief. Er schien unter der Haft sehr zu leiden. Plötzlich hob er den Kopf, sah mich mit erstarrten Augen an und stieß einen leisen Schrei aus. Ich musterte ihn gleich- falls scharf und dachte verzweifelt: wo habe ich denn den nur ge- sehen. Dann fiel es mir mit jähem Erschrecken ein: Jesses, der Meinzel’ aus Mühldorf! und er:„Ja um Gotteswillen, der Dr. Kriß!‘“ Vor mir stand der Handleser und Hellseher, der mir schon so merkwürdige Dinge gesagt hatte. Das erste was ich tat war, daß ich ihm meine
Hand hinstreckte und sagte„können Sie mir nicht sagen, wie lange
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