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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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verfallen sei, eine Schilderung seiner alten Heimat und ihrer Sitten in Romanform zu versuchen. Ob ich das Manuskript sehen wolle?

Natürlich war ich aufs äußerste überrascht von dieser Mitteilung, da es doch ein ganz einfacher Bauernsohn war, der da vor mir stand, ohne irgendwelche höhere Schulbildung. Obwohl ich mir nicht allzuviel erwartete, ließ ich mir das Manuskript doch schicken, da ich die Über- zeugung hatte, daß an dem Mann doch irgendwas besonderes daran sei. Aber als ich dann die ersten fertigen Kapitel erhielt, konnte ich mich kaum fassen vor Staunen über die dichterische Gestaltungskraft und die glänzende Beobachtungsgabe, die aus jenen Zeilen sprach. Freilich, die äußere Gewandtheit und die nötige Routine fehlten zu- weilen, aber gerade das, was man nicht lernen kann und was einem angeboren sein muß, das künstlerische Formungsvermögen war in reichstem Maße vorhanden. Er bat mich, nachdem er mein grundsätz- liches Urteil erfahren hatte, mit rührendem Zutrauen um meine Rat- schläge bezüglich der Fortführung seines Werkes. Dieses Ansinnen wurde der Ausgangspunkt einer geistigen Hilfsstellung meinerseits, die mir Freude und ihm Gewinn brachte. Ich korrigierte jedes neu- vollendete Kapitel des rasch wachsenden Werkes, lehrte ihn die rich- tige Dialektschreibung, und machte ihn auf stilistische Ungeschicklich- keiten aufmerksam. Er war ein gelehriger Schüler und ich brauchte mit jedem folgenden Abschnitt weniger Verbesserungen anzubringen. Seine Einberufung zum Militär verhinderte die Vollendung des Werkes, der letzte Abschnitt steht noch aus und ich hoffe nur, daß der Ver- fasser möglichst bald aus der russischen Gefangenschaft zurückkehren möge. Von dem fertigen Werk verspreche ich mir einen großen Erfolg, es steht an literarischer Bedeutung Ludwig Thoma nur wenig nach und bildet sozusagen das klassische Werk des Berchtesgadener Bauern- tums. Aus unserer Zusammenarbeit erwuchs eine gute Kameradschaft und ein menschliches Vertrauensverhältnis, aus dem heraus er mich ersuchte, ihm bei seiner Verehelichung im Januar 1943 den Trauzeugen zu machen. Ich habe dieses Amt gerne übernommen und konnte seiner Frau, die allein auf dem reichlich verwahrlosten Haus zurückblieb,

manchmal einige Hilfe gewähren.

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3. Kriss: Im Zeichen des Ungeistes