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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
Entstehung
Seite
107
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BEOBERTE STADLE

Auf den nahen Höhen die Geschütze schwiegen und der Lärm der Straßenkämpfe jäh versank. Männer aus den staubdurchfegten Kellern stiegen, standen da in Trümmern, keuchten: Gott sei Dank!

Bleiche Frauen starrten furchtsam auf die Straßen, hielten Kinder an den Händen, zitterten wie sie,

müde Greise auf verkohlten Balken saßen,

und das Schweigen ward so drohend, daß es schrie...

Langsam dann auf allen Einfallstraßen schwoll

neuer Kriegeslärm durch Rauch und Schutt heran:

Panzer und Geschütze, Pferde, Menschen, Wagen übervoll, rasselnde Kolonnen, Marschvolk, das die Schlacht gewann.

Und es wälzte sich ein Heer in endlos langen Zügen durch die Stadt. Lastkraftwagen knatterten so dicht vorüber an gestreckten Toten, Opfern blutiger Ministerlügen; stummer Fluch lag ihnen noch erstarrt im Angesicht.

Eine Stadt ergab sich zitternd, voller Wunden...

doch in tausend Herzen tief Besiegter lebt und webt schon die Hoffnung wieder... Letzte dunkle Stunden sind Beginn des Morgens schon, den sie solang erstrebt.