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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
Entstehung
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100
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DAS: GERLE HELL EOS

Jens Jürgensen liegt schwach und bang, durchschwelt von Fieberqual.

Die Nacht ist schwarz, die Nacht ist lang, das Lager hart und schmal.

Er starrt ins Dunkel, stöhnt und lauscht mit schmerzverwirrtem Sinn.

Der Märzsturm heult und pfeift und rauscht durch Nacht und Moor dahin.

Gedanken wachsen, bergeschwer, und stürzen Staub und Brand: Tens, sieben Jahre ist es her,

® seit Hein den Moortod fand!

er Bruder Hein versank im Moor, das war nach einem Streit... Der Amtmann forschte, doch verlor er damit nicht viel Zeit.

Und in der engen Kate war nun endlich Platz genug...

Ein Richtplatz, drauf man Tag und Jahr

ein schuldig Haupt abschlug...|

Jens springt vom Lager; war es nicht, wie wenn der Sturm ihn rief? Ans Fenster preßt er das Gesicht; die Nacht ist dicht und tief.