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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
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Da fern im Dunkel wankt und irrt ein phosphorn Licht heran!

Nun formt es sich und wächst und wird ein flinker Knochenmann!

Sein Totenbein wirft grünen Schein,

der flattert wie Gewand.

Er schleicht und hüpft, bald groß, bald klein, durchs sturmgepeitschte Land.

Er tanzt und springt und kriecht und eilt von Strauch zu Strauch, er schwebt, und wenn er einmal jäh verweilt,

wild er die Faust erhebt.

Nun schreitet er stocksteif und strack gleichwie ein Pfaff daher,

nun krumm, als trüg er huckepack ein Schicksal hart und schwer.

Jetzt steht er schon vorm Tor! Er droht, kratzt sich den Schädel, nickt...

Der Bruder Hein ists, den der Tod

als seinen Henker schickt!

Leicht schlüpft er durch den Hof. Verharrt. Will dann zur Tür herein;

er zerrt am Riegel, rüttelt, scharrt

laut auf dem Stiegenstein.

Hui! Soll es schon die Tür nicht sein, die einst ihm offen war,

so steigt der Gast durchs Fenster ein und bleicht dem Wirt das Haar...

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