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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
Entstehung
Seite
92
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DER MENSeH

Die Erde formt des Menschen Angesicht; der wächst und wächst, betrachtet sie und spricht:

Du wurdest alt, grau von Vergangenheit... Ich aber bin der Geist der neuen Zeit!

Was ihm mißfällt muß fort! Er sinnt und sinnt, macht Pläne und entscheidet und beginnt

dann eines Tags sein Werk, an Strömen und an Ländern, was ihm nicht paßt, mit dreister Hand zu ändern.

Er setzt Maschinen in der Erde Angesicht; sie stöhnt und klagt, er aber hört es nicht... Er werkt und werkt, verwandelt Hoch in Tief und reißt herauf, was Jahrmillionen schlief.

Er baut Kanäle, Brücken, Dämme, neues Land,

staut an den Strom zum See, zwingt Moor und Sand, zieht Eisenbahnen, gründet Städte, bricht

Tunnels durch Berge und ermüdet nicht.

Manchmal nur hält er eine Stunde ein

und schaut sich um und spricht: Groß muß ich sein! Denn nur die Kleinheit macht den Menschen schlecht und er ist knechtisch oder ungerecht...

So spricht der Mensch... O ja, er kennt sich gut! Schöpfer und Schinder, voller Übermut,

ist er, o Erde, doch allein bereit, dich jung zu halten nun und allezeit!