2 Bemerkungen über Kochbücher.
genſte Stoff und die ſchlagendſte Aehnlichkeit aller dieſer Bücher im Vortrage wie in der Zuſammenſtellung. Dennoch haben einige, beſonders eins derſelben, oft mehr als ein Dutzend Auflagen erlebt, ohne weiteren Verdienſt, als daß ſie durch Buchhändler⸗Speculation unaufhörlich angeprieſen wurden. Blickt indeß der wirklich Sachverſtändige zufällig einmal in dieſe Bücher hinein, ſo weiß er nicht, ob er mehr über den Unſinn der Menge der darin enthaltenen, unausführbaren Recepte, oder über den Miſchmaſch widerſprechender Zuſam⸗ menſtellungen erſtaunen ſoll. Der hin und wieder bemerkbare ſtarke Abſatz mehrerer dieſer Bücher erklärt ſich alſo offenbar durch obige Speculation, aber zumeiſt iſt er in dem alten Wahn und der unfähigen Beurtheilung und Kennerſchaft der Tante oder Muhme begründet, daß dies oder jenes Kochbuch für dieſe oder jene Haushaltung am beſten paſſe, weil es ſchon zum feſtſtehenden Küchen⸗Inventarium der Großmutter und der Mutter gehört habe; mithin der zu verheirathenden Tochter als ein wahrer Hausſchatz empfohlen und mitgegeben werden müſſe.
Es bleibt dem praktiſch erfahrenen Sachkenner unbe⸗ greiflich, wie man nach einem Kochbuche, deſſen Inhalt ohne alle ſyſtematiſche Ordnung der verſchiedenen Gattungen von Speiſen, ohne genaue Angabe des Quantitäts⸗Verhältniſſes der Zuthaten im Vergleich zur Zahl der Tiſchgäſte zuſam⸗ mengeſetzt iſt, ja, nach Recepten über die widerſprechendſten Vermiſchungen der Ingredienzien, ich ſage, wie man nach Vorſchrift eines ſolchen Buches mit Erfolg kochen kann; und da dieſe Bücher gewöhnlich ſo abgefaßt ſind, daß ſie weder Belehrung noch Unterhaltung gewähren, ſo können ſie natür⸗ lich den Leſer eben ſo wenig feſſeln, als ihn für den Inhalt, überhaupt für die im Bereich der Küche und Wirthſchaft vor⸗ kommende Beſchäftigungen empfänglich machen, ſondern müſ⸗ ſen nothwendig die in dieſer Beziehung bei vielen Frauen und Jungfrauen oft bemerkvare Abneigung noch merklich ſteigern. Viele dieſer Kochbücher würden noch hin und wieder für manche Haushaltung der mittleren Stände brauchbar ſein, blieben die oben bemerkten Verfaſſerinnen mit ihren Schriften in den Grenzen der gewöhnlichen Küche; mithin in den Gren⸗ zen ihres gegenwärtigen oder geweſenen Wirkungskreiſes. So aber ſtellen ſie ſich auf den Standpunkt einer Wirkſamkeit, dem ſie, vermöge ihrer Individualität, weder angehören noch
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