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Die neuzeitliche Küche : ein praktischer Lehrkurs der Kochkunst und Ernährungskunde sowie der Diätküche : mit 4000 Rezepten und Anleitungen / von Rudolf Zäch
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50 Allgemeines.

halten ſie aber auch die Kälte zuſammen, ſo daß ſich die Kältegrade ſteigern und nicht ſelten das im Kaſten befindliche Eis zu einem Alumpen zuſammen⸗ friert. Dasſelbe Naturgeſetz waltet auch bei der Kochkiſte, nur mit dem Unter⸗ ſchied, daß hier ſtatt Kälte⸗eben Wärmegrade erhalten, beziehungsweiſe geſteigert werden. Noch ein Naturgeſetz wirkt mit; Siedehitze, welche kürzere Zeit hindurch eingewirkt hat, wird durch ſtundenlange, länger anhaltende, niedere Tempera⸗ turen erſetzt, das heißt: ein Gericht, das, gleichbleibende Siedehitze vorausgeſetzt, auf dem Herd vielleicht eine Stunde brauchen würde, braucht in der Kochkiſte bei der durch die Iſolierung nur langſam entweichenden Wärme etwa 23 Stunden zum Garwerden. Alſo die ganze Kocherei beruht auf Ausnützung der ſchlechten Wärmeleitung; der dichte Verſchluß, die feſtgeſtopfte enganliegende Füllmaſſe bewirken dieſelbe, ſo daß die gehörig durchhitzten Speiſen bei der gebundenen Wärme weich werden, ohne ihres Nährwertes oder ihres Wohl⸗ geſchmacks durch ausſtrömenden Dampf verluſtig zu gehen.

Unſeren nachfolgenden Tabellen entſprechend werden die Speiſen mit ihren Zutaten, Brühe, Gewürzen und Fetten uſw. auf dem Herdfeuer, auf dem Gas⸗, Petroleum⸗ oder Spiritusapparat vorgekocht, dann zugedeckt in die Beukiſte eingeſtellt und der Verſchlußdeckel aufgeſetzt. Nun wird auf die Uhr geſehen und nicht mehr geöffnet. Alles übrige beſorgt die Kiſte in einem Zeit⸗ raum von 18 Stunden ganz allein. Die Vorkochzeit iſt natürlich ſehr ver⸗ ſchieden und richtet ſich ganz nach der Art der Speiſen. Demzufolge können Speiſen mit verſchiedener Vorkochzeit doch gleichzeitig in die Kiſte eingeſetzt werden. Hauptſache iſt eben genaue Einhaltung der Vorkochzeit, welche auch richtig berechnet ſein muß. Von Wichtigkeit iſt auch, daß die Töpfe möglichſt gefüllt ſind; wird nur einer benützt, ſo muß der andere Topf mit kochendem Waſſer gefüllt werden, welches als Spülwaſſer Verwendung findet. Der leere Raum kann auch durch ein deſſen Form ſich genau anpaſſendes, mit Füllmaterial ausgeſtopftes Kiſſen ausgefüllt werden.

Beſonders vorteilhaft können Speiſen, welche ſonſt lange Zubereitungszeit erfordern, weichgekocht werden, wie ſtickſtoffhaltige Nahrungsmittel: Erbſen, Bohnen, Linſen oder ſtärkehaltige, wie Reis, Graupen(Gerſte) uſw.

Fertige, gut funktionierende Kochkiſten liefert jedes Haushaltungsgeſchäft. Wer jedoch Luſt und Seit hat, kann ſie auch unſchwer auf folgende Weiſe ſelbſt herſtellen. Die Kiſte, welche 60 Zentimeter lang, 40 ZSentimeter breit und 50 Fentimeter tief ſein ſoll und dabei keine Riſſe und Fugen haben darf, braucht einen genau paſſenden, etwas übergreifenden Deckel, welcher ver⸗ ſchließbar ſein oder wenigſtens eine Schlempe haben ſollte; auch kann ihr ein paſſender Anſtrich mit Glfarbe gegeben werden. Jede gutſchließende Uiſte von ähnlicher Größe eignet ſich ebenſo dazu. Als Füllmaterial kann gut ge⸗ trocknetes Moos oder Heu dienen, das Idealſte iſt jedoch Holzwolle. Mit dieſem Material macht man auf dem Boden der Uiſte eine 5 Sentimeter hohe Polſte⸗ rung. Nun werden in die Kiſte zwei flache Email⸗, Eiſen⸗, Nickel⸗ oder Alu⸗ miniumtöpfe(Congeſchirre eignen ſich weniger) mit knappſchließendem oder noch beſſer einſitzendem Deckel, die Handhaben zum Umklappen, eingeſetzt, wobei gleicher Abſtand der Töpfe unter ſich, ſowie von den Kiſtenwänden zu beachten iſt. Der noch vorhandene Swiſchenraum wird nun ebenſo feſt und gleichmäßig bis an den Rand der Töpfe zugeſtopft. Jetzt nimmt man die Töpfe wieder heraus und überzieht die Oberflächen der Füllung nicht allein der Dauer⸗ haftigkeit, ſondern auch der Reinlichkeit halber mit Leinwand. Uber den Töpfen ſelbſt muß noch ein gut vollgeſtopftes, 6 bis 2 Zentimeter dickes Kiſſen(ſelbſt⸗