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Die neuzeitliche Küche : ein praktischer Lehrkurs der Kochkunst und Ernährungskunde sowie der Diätküche : mit 4000 Rezepten und Anleitungen / von Rudolf Zäch
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III. Die Küche und Speiſekammer und ihre Einrichtung. 22

Feuerfeſtes Porzellangeſchirr. Der Induſtrie iſt es gelungen, feuerfeſte Koch⸗, Brat⸗ und Backgeſchirre in hervorragender Qualität herzuſtellen, die in Zukunft wohl eine große Verbreitung finden dürften. Der ſcheinbar höhere Preis der Geſchirre wird durch ihre Haltbarkeit ausgeglichen, ſie können eigent⸗ lich nur durch Stoß zerſpringen. Die Feuerfeſtigkeit iſt die denkbar größte, nur bei unſachgemäßer Behandlung iſt ein Sprung möglich. Sie trotzen der ſtärkſten Bitze, ſie zerſpringen auch nicht bei plötzlicher Abkühlung und können ſogar auf offenem hellem Herdfeuer gebraucht werden; bei Gasfeuerung iſt es jedoch ratſam, Unterlagſcheiben aus Eiſenblech zu benützen. Die Geſchirre halten die Wärme ungemein lang, deshalb können die Speiſen, wenn einmal angekocht, bei ſchwächerem Feuer oder auf der Seite des Herdes lange kochend erhalten werden. Sauerkraut, Obſt und Gemüſe behalten in dieſen Geſchirren bei langſamem Kochen ihre natürliche Farbe. Beim Braten wird, weil die Scherben ſich gleichmäßig erhitzen, das Fett nie braun oder gar ſchwarz; es kann z. B. bei einer Gans bis zum Schluß mitbraten. Die Glaſur widerſteht der ſtärkſten Fruchtſäure, es können daher alle in den Geſchirren gekochten Speiſen auch in denſelben aufbewahrt werden.

Dieſe Kochgeſchirre werden in allen gebräuchlichen Koch⸗, Brat⸗ und Back⸗ formen mit unter Glaſur gefärbten grünen und kupferbraunen Außenwänden. ſowie in der appetitlichen backbraunen Außenfarbe und in ganz weiß hergeſtellt, Sie können zum Servieren auf die Cafel gebracht werden, wo ſie die Speiſen ſehr lange warm halten. Bei der Härte der Glaſur, ſowie der Maſſe können durch Gebrauch der Meſſer keine Riſſe entſtehen. Die Bratplatten haben rippen⸗ artige Erhöhungen, zwiſchen denen ſich die Sauce ſammeln und dann leicht abgeſchöpft werden kann.

Fapence⸗ und Steingutgeſchirr eignet ſich des leichten Zerſpringens wegen nicht zu Kochzwecken.

Ein echtes weißes Porzellan iſt der Schmuck einer Tafel; für Material, Korm und Ausſtattung bleibt dem perſönlichen Geſchmack und nicht zuletzt dem Geldbeutel ein weiter Spielraum offen. Seine Schönheit und Dauer⸗ haftigkeit ſichern ihm einen Platz in jedem Haushalt. Sein Stil ſollte ſtets der ganzen Einrichtung entſprechen. Die neue Richtung im Kunſtgewerbe hat in dem Gebrauchsporzellan ein dankbares Feld gefunden. Leider wird bei den modernen Formen oft bloß einer möglichſt originellen Geſtaltung zuliebe auf Moſten der Bequemlichkeit manche Sünde begangen. Beſonders die ganz glatten Formen ohne Fuß ſind beim Servieren äußerſt unpraktiſch. Dabei foll aber nicht geleugnet werden, daß dieſer Stil ſchon manch ſchöne Formen entſtehen ließ. Die Kennzeichen eines guten Porzellans ſind eine ſchöne weiße Farbe, Durchſichtigkeit, ſowie beim Anſchlag ein heller Metallklang. Brauchbarer macht man es, wenn man das Porzellan vor dem erſten Gebrauch einige Stunden in kaltes Waſſer legt und nachher lauwarm ab⸗ ſpült. Zum Aufbewahren von Speiſen eignet ſich Porzellan am allerbeſten. Beim Aufbewahren des Geſchirres ſollte zwiſchen die einzelnen Stücke ein reines weiches Papier gelegt werden, um die Glaſur nicht zu zerkratzen und unanſehnlich zu machen.

Um auch den weiteſtgehenden Anſprüchen gerecht zu werden, will ich hier noch eine vollſtändige Kücheneinrichtung anführen, wobei die unbedingt not⸗ wendigen Geräte mit einem Stern(*) bezeichnet ſind. Zu dieſer Einrichtung,