III. Die Hüche und Speiſekammer mit ihrer Einrichtung. 12
kennen. Neueintretende Dienſtboten wiſſen oft den Herd zu bemäkeln; es iſt dann gut, wenn die Hausfrau imſtande iſt, Vorzüge und Eigenheiten desſelben praktiſch vorzuführen. Auch gehört zur genauen Berechnung der Kochzeit von verſchiedenen Speiſen eben das vollkommene Vertrautſein mit der Feuerung.
Feuerungsmaterial. Das Holz dürfte bei den heutigen Preiſen wohl für allgemeine Brennzwecke ausgeſchloſſen ſein; trotzdem iſt es in der Küche nicht ganz zu entbehren. Abgeſehen von ſeiner ſelbſtverſtändlichen Benützung zum Anmachen des Feuers kann es nicht entbehrt werden, wo ein raſches Flacker⸗ feuer benötigt wird, z. B. bei Beefſteaks und dergleichen, dann zum Erhitzen des Bratofens.
Die Steinkohle wird wohl überall wegen ihrer großen Heizkraft Anwendung finden; mit ihr läßt ſich wie mit keinem andern Material eine energiſche, gleich⸗ mäßige Bitze erzielen.
Der zerkleinerte Koks wird der Steinkohle vorgezogen, weil der Uoks weniger Ruß abgibt und die Heizkraft nicht viel geringer iſt.
Eierbriketts finden auch ſehr viel Verwendung. Sie ſind ein reinliches, dabei leicht handliches Brennmaterial; ſie haben das Angenehme, keine Schlacken zu bilden, und ſtehen im Brennwerte der Steinkohle nicht nach.
Torf iſt gut angewendet, wo eine milde, gleichmäßige Glut verlangt wird, auch zur Bedienung der Nebenfeuerung eignet er ſich ſehr.
Grude oder Grudekoks ſind örtlich beſchränkte Brennmaterialien, wegen ihrer Billigkeit finden ſie in den entſprechenden Gegenden auch ihre Anhänger. Der Billigkeit ſteht noch ein weiterer Vorteil zur Seite, nämlich das ſtetige, gleichmäßige Fortbrennen unter ganz geringer Nachhilfe. Dagegen aber iſt der geringere Brennwert hinderlich.
Zu erwähnen iſt noch der Grudeherd. In der NMiitte ſeiner Platte, welche keine Löcher hat, befindet ſich eine Vertiefung, die, wenn mit heißer Aſche angefüllt, die Speiſen warm erhält und vorgekochte Speiſen vollends fertig⸗ kocht. Unter Grudeherden verſteht man beſonders kleine eiſerne Koch⸗ maſchinen, auch Sparherde genannt, welche, mit Schwelkoks geheizt, ein mäßiges, gleichbleibendes Feuer erzeugen. Der Schwelkoks wird gewonnen aus einem Rückſtandsprodukt nach Abtrieb des Teers beim Schwelen der Braunkohle bei der Berſtellung von Paraffin und Mineralöl. Der pulverförmige Grudekoks iſt, ohne zu flammen, leicht entzündbar und brennt anhaltend, gleichmäßig weiter. Der Vorteil, daß gegenüber anderen Brennmaterialien ſeine Wärme gebunden iſt, ermöglicht, daß er unter der Aſche noch lange weiterglimmt, ſo daß eine derartige Feuerung keiner weiteren Wartung bedarf.
Der Einkauf der Kohlen ſollte nie bei Regen und Schnee erfolgen, die eingedrungene Feuchtigkeit erhöht das Gewicht ganz bedeutend. Die richtige Einkaufszeit iſt der Hochſommer. Erſtlich hat man eher Garantie für trockenes Einbringen, zweitens ſind ſie um dieſe Jahreszeit beträchtlich billiger, man ſpart alſo in zweierlei Hinſicht. Der Aufbewahrungsort ſei ein möglichſt dunkler; die Beizkraft der Kohlen vermindert ſich in einem Raum, wo die Sonne ein⸗ dringt. Licht mindert den Brennwert ungemein herab.
Die Kohlenaſche ſollte in einem ſparſamen Haushalt täglich geſiebt werden. Um das Umherwirbeln der feinen Aſchenteilchen zu vermeiden, ſollten nur die mit Deckeln verſehenen Siebe, welche in jedem Haushaltungsgeſchäft er⸗ hältlich ſind, benützt werden. Mit den noch brauchbaren Überreſten läßt ſich Kochbuch 2


