Druckschrift 
Die neuzeitliche Küche : ein praktischer Lehrkurs der Kochkunst und Ernährungskunde sowie der Diätküche : mit 4000 Rezepten und Anleitungen / von Rudolf Zäch
Einzelbild herunterladen

14 Allgemeines.

gänzlich einwandfreie Küche zu beſitzen, zu ihren am ſchwerſten zu erfüllenden Wünſchen gehört. Wenn einigermaßen möglich, ſollte ſie nach Norden oder Oſten gelegen ſein. Die ungünſtigſte Lage iſt die ſüdliche, weil ſie den mittä⸗ gigen Sonnenſtrahlen zu ſehr ausgeſetzt iſt. Vor allen Dingen muß ſie hell ſein, denn ohne gut zu ſehen iſt ein Kochen nicht möglich. Um im Sommer die läſtige Fliegenplage zu vermeiden und trotzdem der Luft Zutritt zu gewähren, empfiehlt es ſich, an den Fenſteröffnungen die bekannten Drahtgewebe anzu⸗ bringen. Zu dem freundlichen Eindruck, den eine Küche machen ſoll, trägt weſentlich ein heller Anſtrich der Wände bei. Iſt derſelbe von Glfarbe, ſo geſtattet er ein Abwaſchen der Wände; er ſollte jedoch mindeſtens die Schulterhöhe erreichen. Am praktiſchſten und ſchönſten iſt jedoch die Bekleidung der Wände mit Kacheln und Flieſen in den geſchmackvollen Muſtern und feinen, abgetönten Farben, wie ſie jetzt allgemein im Gebrauche ſind. Ebenſo ſollte der Fußboden aus Flieſen oder Stein beſtehen.

Die Geſtelle zum Aufhängen und Aufſtellen der Geſchirre ſollten zweck⸗ dienlich ſein, ohne Zieraten, welche nur das Reinigen erſchweren.

Alle Waſſerhähne müßten eine Vorrichtung, Druckfänger genannt, beſitzen, welche geſtattet, daß ihnen das Waſſer in geſchloſſenem, ſeitlich nicht umher⸗ ſpritzendem Strahl entnommen werden kann. In der beſſeren Küche hat als große Annehmlichkeit

der Spültiſch zwei Spültröge, ſowie je zwei Waſſerhähne, den einen für warmes, den andern für kaltes Waſſer. Dabei iſt ein Teller⸗ und Geſchirr⸗ Ablauftiſch. Um das Rutſchen der HPorzellanteller zu vermeiden, iſt es zu emp⸗ fehlen, wenn man ſie beim Spülen mit einem groben TCuch unterlegt. Die Hlatte des hartholzenen Küchentiſches muß mit Seife und Sand ſtets ſchön ſauber erhalten werden. Jede Art von Anſtrich iſt unpraktiſch. Beim Reinigen von Holz vermeide man, Soda zu benützen, ſie verleiht demſelben eine un⸗ appetitliche graue Farbe.

Der praktiſche Küchenſchrank iſt zweiteilig, in der Mitte mit einer aus⸗ ziehbaren Platte. In ſeinem oberen Ceil findet das Porzellan Platz, während im unteren die eiſernen und irdenen Geſchirre aufbewahrt werden.

Die Uhr darf in der Küche auch nicht fehlen, weil verſchiedene Gerichte unterſchiedliche Kochzeiten haben.

Das Gewürzſchränkchen weiſen viele in die Speiſekammer, weil die Dünſte der Küche den Geſchmack der Gewürze beeinfluſſen.

Die Speiſekammer iſt der Raum, welcher den vorrätigen Waren bis zu ihrem Verbrauche als zweckmäßiger Aufbewahrungsort dienen ſoll. Von ihr gilt über Lage, Fußboden⸗ und Wandbekleidung dasſelbe, wie das bei der Küche bereits Geſagte. Auch die Drahtgitter an den Fenſtern ſind bei ihr gut angebracht, damit dieſe in der warmen Jahreszeit ſtets offen gehalten werden können. Es wird ganz unrichtig als bequem angeſehen, wenn der Eingang von der Küche aus zu nehmen iſt, da beim Gffnen der Türe die warmen Dämpfe in den viel kühleren Raum der Vorratskammer dringen und dort feuchte Nieder⸗ ſchläge erzeugen, welche den Vorräten nicht dienlich ſind. Iſt der Fußboden der Speiſekammer mit Flieſen belegt, ſo iſt es in der heißen Jahreszeit ſehr zu empfehlen, denſelben mehrmals im Tage mit kaltem Waſſer aufzuwaſchen, die Verdunſtung desſelben bewirkt das Sinken der Temperatur in dem Raum.

Größere Vorräte an Mehl ſind in einem beſonderen Kaſten zu halten. Mehl läuft durch Feuchtigkeit leicht an und bekommt Klumpen, wodurch Muff, ja ſogar Würmer entſtehen können; es ſollte daher beſonders im Sommer