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Den weitaus größten Zuwachs erhielt die Inkunabelsammlung im Jahre 1771, unter der Verwaltung von Andreas Böhm (1757-90), als neben 205 Handschriften auch 308 alte Drucke auf Befehl des Darmstädter Landesherrn an die UB Gießen gingen. Diese Bücher hatten bis zur Reforma-
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tion dem Capitulum ecclesiae St.Marci in Butzbach,dem sog. Kugelhaus, später der St.Markuskirche gehört. "Die Bürgerschaft (von Butzbach) reichte 1781 - so schreibt E.Heuser (S .31) - eine Bitte in Darmstadt ein, die dahin ging,dass die Universität die Bibliothek nach ihrem wahren Werth zu bezahlen gnädigst angewiesen werden möchte. Welches Resultat sie gehabt hat,steht dahin".
Die Butzbacher Inkunabeln (ca 300 Titel) wurden sämtlich in eine neue,an die Gruppen I-XIII der Hauptbibliothek angehängte Klasse XIV gestellt. A.Böhm verfertigte zu der ganzen Gruppe ( e inschl ießlich der nach 1500 gedruckten Schriften) im Jahre 1773 einen alphabetischen Katalog (Gießener Hs.3l),der Verfassernamen,Titel,Erscheinungsort und -jähr und Format angibt mit der jeweiligen Buchsignatur "B.G.XTV.J* Die Signatur in den Inkunabeln wurde (später ?) von Christian Heinrich Schmid (erst nach seiner Einstellung als zweiter Universitätsbibliothekar am 6.Jan.1787 f) auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels oben eingetragen. Sie lautet regelmäßig: "Liber Bibl.Acad. 15)
Giess.XIV...".'Bei InkunabeIn, der en vorderer Einbanddeckel späterverloren gegangen ist,läßt noch heute der spiegelbildliche Abklatsch der typischen Signatur C.H.Schmids auf der 1.Seite auf Butzbacher Provenienz schließen.
War die Inkunabe1 Sammlung durch Butzbach vor allem im theologischen Fach vermehrt worden,so sollte sie im Jahre 1800 durch die Schenkung von Renatus Carl Frh.von Senckenberg besonders im juristi-
vetus von Ayrmann (vgl.Schawe,Abb.21) und z.B.in Ink.P 45700 (vgl.die hs.Signatur-Eintragung) eindeutig ergibt.
14) seit 1468 Kollegiatstift." 1539 starb der letzte Probst Leonhard Bracht,der letzte Pater 1550" (Dersch S .15).
15) Eine Ausnahme machen 9 Inkunabeln (V 3800 Bd 2 u.4, V 33400,
V 34160, V 34430, V 34591, V 35690, V 35840, V 36480, X 52877, die bis auf die erste und fünfte mit Sicherheit alle aus Butzbach stammen). Sie wurden (wohl irrtümlich) mit einem Signaturenschild (Aufdruck: "Liber Biblioth.Giessenae novae/Reposit. Num. ") versehen - so als °b sie der May'schen Bibliothek einverleibt worden seien - auf dem C.H.Schmid die Signatur (Reposit.) XIV (Num.)... eintrug.


