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Die Inkunabeln der Universitätsbibliothek Gießen / H. Schüling
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Geschichte der Gießener Inkunabe1sammlung

Die Inkunabelsammlung der Universitats-3ibliothek Gießen umfaßt 873 Titel. Ihre Geschichte beginnt mit der Gründung der Bib1iothek.Denn sicher waren bei den im Jahre 1612 zur ersten Grundlegung der Bib­liothek in Straßburg eingekauften Büchern eine Reihe von Wiegendruk- ken. Die Sammlung wuchs im Laufe der Jahrhunderte durch mehrere Schen­kungen - von denen ich im folgenden nur die bedeutendsten nenne - und durch zwei Zuweisungen aus säkularisiertem Klosterbesitz.

Die erste nennenswerte Vermehrung erfolgte im Jahre 1650,als mit der Rückführung der 1628 nach Marburg gebrachten alten Gießener UB auch die Marburg verbliebene Hälfte der 1628 geteilten alten Mar­burger UB nach Gießen verlegt wurde. Jetzt kamen 6 Inkunabeln, die

nach der Reformation aus dem ehemaligen Marburger Kugelhaus ^an die

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dortige UB gegangen waren , und 11 Inkunabeln des ehemaligen Mar­burger Franziskanerk1 0 sters^' nach Gießen. - In der ersten Gruppe be­fand sich das hinsichtlich der Provenienz bemerkenswerteste Stück der heutigen Gießener Sammlung: ein Buch aus dem Besitz des Münster- schen Humanisten Rudolf de Langen mit dessen eigenhändiger Widmung

vom 15. Mai 1481 an den Vorsteher des Marburger Kugelhauses Friedrich 4)

Moermann . Die zweite der genannten Gruppen bestand aus Büchern.die wohl schon gemäß dem 1496 errichteten Testament des Franziskaners und Professors der Theologie Johann Spendeten das Marburger Franziska­nerkloster gegangen waren und von dort nach der Reformation an die UB Marburg.

1) "Kugelhaus (...ad rivum leonis) der Brüder vom gemeinsamen Leben (Fraterherrn). 1476 gegr. 1477 durch 3 Brüder aus Münster bezogen... 1527 für die the 0 1 .Fakultät und Stipendiatenanstalt eingerichtet" (Dersch S .H3).

2) Vgl.die Eintragung von Christoph Friedrich Ayrmann in Nr .637 ,nach der dieses Buch nach der Reformation mit anderen Büchern (d.h. eben auch den 5 anderen Inkunabeln aus dem Marburger Kugelhaus) an die UB Marburg gelangte.

3) "Franziskanerkloster, 1528 verlassen, 1529 als Kollegiengebäude... für die med.u.philos.Fakultät sowie die Bibliothek eingerichtet" (Dersch Iii).

4) Vgl.Inkunabel Nr 637.

5 ) "Joh.Spender,Bischof von Cyrene in partibus infidelium, Statthal­ter des Stifts Köln,ein geborener Marburger, der in die hiesigeFran- ziskanerkirche sich begraben ließ,hatte in seinem im Jahre 1496 er-