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nicht mehr verstanden und lässt deshalb in dem Apfel einen Brief verborgen sein— der Euhemerismus seines Verfahrens ist evident. Neumann allerdings hält a. a. O. die Ueber- reichung des Apfels an dieser Stelle nicht für echt, weil Apollonius beim Emporheben der zehn Finger schon habe voraussetzen müssen, dass Herburg ihn kenne. Pieser Ein- vurf ist natürlich völlig hinfällig, denn unter allen Umständen musste sie ihm ihr Einverständnis Kkund thun und dem nur ihr verständlichen Fingerheben bot sich die Apfelgabe als gecignetstes, nächstliegendes Gegensymbol. Wir sind nicht dazu berechtigt, jenes Emporheben der Hände anders auf— zufassen, als es die Ps. thut, in der es das verabredete oder wenigstens sofort verstandene Zeichen für die Zahl der Be- gleitmannschaften abgibt: im Lied bleibt die Frage und ihre zeantwortung völlig unverständlich und hat sich wohl nur ihres derbsinnlichen Charakters wegen erhalten, der dem niederländischen Geschmack besonders zusagte. Für die nun folgende Darstellung der Entführung bietet wiederum die Ps. die bessere Uberlieferung, denn niemals wird die echte Sage gelautet haben, dass ein fahrendes Weib erfolgreich bean- spruchte, bei der Königstochter zu schlafen. In allen Ver- kleidungsliedern ist dies eine Ehre, die nur der ebenbürtigen edlen Jungfrau zu Peil werden kann und stets als höchste Gunstäusserung aufgefasst wird.
Damit fällt auch das rohe und unter allen Umständen zwecklose Intermezzo, Strophe 13— 16, das fast wörtlich der bei Uhland Nr. 100 b 236— 39, bei Boehme N 0 Venusgürtlein ed. Waldberg 8. 156—57 abgedruckten Ent- führungsballade entnommen ist.? PDie betreffenden Strophen auten Uand 0
scheute, als Zeuge für den tieferen Zusammenhang dieser zwei Natur- erzeugnisse auftreten S. a. Kögel Grdr. II, 194.
1PDer Möglichkeit, dass auch hier eine ursprüngliche Fassung um- gedeutet wurde, wird weiter unten gedacht werden.
Seltsamer Weise verweist Waldberg a. a. O. XXXVI nicht auf den Abdruck bei Uhlund u. Boehme. Die Fassung im V. G. ist diesem völlig gleich, nur Strophe 1 weicht ab und aus dem„jungen grafen“ ist ein„junger Soldat“ geworden; vergleiche noch Uhland, Schriften IV 110—111.


