die Prinnerung daran, dass nur durch sie die Bezwingung der Jungfrau möglich wurde; dann blieb aber nur die Mög— lichkeit, in ihr eine listige Vermummung zu finden, die dunn natürlich nicht auf das Haar beschränkt bleiben durfte. Zur Zeit des Tacitus natürlich war der alte Mythus noch in seiner Reinheit bewahrt und der muliebris ornatus des Priesters der Meis beschränkt sich auf den*hueds,1 dessen letzte Spuren wir nun in den Verkleidungen Odin-Ilugdietrich's erkennen. Denn wenn wir nochmals zusammenfassend darauf hinweisen, dass die unbedingt anzunehmende mythische Bedeutung des eds durch die Sagen von den Schicksalen der Hlartunge keine Prklärung findet, dass er dagegen mit grosser Wahrschein- ſichkeit ein Attribut des Sturmgottes gewesen ist und endlich dieser oder eine an seine Stelle getretene Person, als Weib verkleidet, den jüngeren Bruder erzeugt, so ist es aufs höchste wahrscheinlich, dass jener Priester seinen„muliebris ornatus“ um Gedächtnis der damals schon vorhandenen Erzeugungs- mythe getragen hat. Mit weiblich wallendem Haar ausgestattet, als echtes Windwesen hatte der Gott die Jungfrau bezwungen und, wie die Vergleichung mit den übrigen Dioskurenmythen wahrscheinlich macht, mit ihr die beiden Söhne erzeugt. Dass die Hartungen ursprünglich als Zwillingsbrüder gefasst waren, ist ja noch deutlich erkennbar.(Mühlenhoff II. Z. 6.)
Iim Norden wurde dieser Zusammenhang vielleicht zer-— rissen als der eine Bruder mit Baldr, der Hlypostase Odin's contaminiert wurde(vgl. Edz a. a. O. Sp. 125/126, s. a. Sp.
75 Anm. 7), so dass der alte Zug nur bei der Erzeugung
8 seines Rächers wirksam blieb. In der deutschen Hartungen- sage bezeugen wenigstens die Hartnit-Iertnit-Hartunge von Riuzen? und die Angaben der Ps. wie auch das Verwandt-
Die oben angeführten Parallelerscheinungen in der Vorgeschichte
der griechischen und indischen Dioskurenmythen lassen die Möglichkeit zu, dass auch im germanischen Mythus die Verkleidung ursprünglich ist. Aber abgeschen davon, dass auch dort die in den Verwandlungen liegende Natursymbolik noch deutlich sichtbar ist, würde eine derartige Annahme unsere Beweisführung nicht im mindesten stören.
* Aus Obigem geht hervor, dass ich Neumann's Auffassung, der Germ. 27, vgl. a. ebenda 28, 346 ff. bes. 358 die Identität der Ortnite läugnet, nicht beitreten kann, gleichwie ich die von Niedner Zfda.


