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Nun erzählt die nordische Sage, dass Odin bei der Rindr erst dann?um Ziel gelangt sei, als er in Weibsgestalt zu ihr getreten war.! Bugge's Versuch, auch diese Werbungs- geschichte aus antiken Finflüssen zu erklären, fällt mit seinem gan?en System; denn so wenig es sich jemals läugnen lassen wird, dass der eddische Baldrmythus durch christliche Züge stark umgestaltet und vor allem ethisiert wurde, so unhaltbar sind seine Resultate bezüglich des antiken Elements in der nordischen Sage. Edzardi(Lbb. 1882 Sp. 1 ft. und 124 ff.) und Müllenhoff D. A. K. V? haben seine Ausführungen zu- rückgewiesen und besonders ersterer hat a. a. O. und Ger- mania 27 einschlägige Mythen aus germanischen Vorstellungs- kreisen weit einfacher und zwingender erklärt.? Speciell unsere Werbungssage ist nach Bugge aus einer Umformung des bei des Neoptolemos Erzeugung wirksamen Verkleidungsmotiv's entstanden. Wenn er dabei noch zufügt, dass die„Gedichte“ in denen das gleiche Motiv sich finde„fast alle“ dem späteren Mittelalter entstammten, so ist dem doch vor allem die ur— alte Hagbardsage(vgl. Grundtvig D. G. F. I, 258— 59) ent- gegenzuhalten, bei der ja wie bei dem Liebesabenteuer Regner's(Saxo Lib. IX S. 450— 51 b. Müller) der Zug ur- sprünglich ist, und damit fällt jeder Grund, die im Norden
auch ausserhalb des Bereichs erotischer Preignisse überliefertes Verkleidung in Frauenkleid für direkt, d. h. ad hoc entlehnt anzuschen.
von v. 263 das Abenteuer mit Kallisto anzieht und der Antiope mit keinem Wort gedenkt.
PDass dies gemeinnordische Anschauung war, macht Bugge 138 äusserst wahrscheinlich.
Siehe auch Stephens, Aarb. 1883, 215— 363, 1884, 1— 47. Dazu vgl. noch die schöne Beweisführung von F. Jönsson, Mytiske forestil- linger in de ældste Skjaldekvad, Ark. 1892, Bd. 9, 1—22.
Vgl. vor allem Pérr's Verkleidung in der Prymskv., daneben sei noch an Helgi's und Frotho's Vermummung erinnert.
Osterhage's schwankende und unmethodische Bekämpfung von Bugge's Ansichten. Z. f. rom. Ph. 14 bes. 354 f. vermag unsere Be- hauptung nicht zu stützen, Bezeichnend für die Art seiner Beweis- kührung ist die allerdings zweifelnd ausgesprochene Vermutung, dass
in den von Gregor von Tours erwähnten dii mortales, die das Volk bei


